Comic - Drama
Sabrina
SabrinaComic - Drama | mit: Nick DrnasoBewertung:★★★★★ Auf die Longlist des Man Brooker Prize – dem wichtigsten Literaturpreis im englischsprachigen Raum – zu schaffen, ist schon eine beachtliche Leistung. Doch nicht nur das: Nick Drnaso hat es mit „Sabrina“ geschafft, dass erstmalig eine Graphic Novel in dieser Liste auftaucht. Handlung Sabrina verschwindet urplötzlich. Keiner hat sie gesehen, niemand weiß von etwas. Völlig fertig mit der Welt und in einem fast katatonischen Zustand kommt Sabrinas Freund Teddy bei Calvin unter, einem ehemaligen Schulkameraden. Calvins Ex-Frau und Tochter sind vor kurzem nach Florida gezogen und Calvin ist froh, nicht allein zu sein. Doch Teddys Besuch bringt viele Probleme mit sich. Denn er ist nicht nur ziemlich nah an einem totalen psychischen Zusammenbruch, Sabrinas Verschwinden bringt viele Verschwörungstheoretiker auf den Plan, die Calvin die Wahrheit herauspressen wollen.BewertungEntführung, Mord, Verschwörungstheorien – wunderbare Zutaten für einen aufregenden und spannenden Thriller. Aber Autor und Zeichner Nick Drnaso wählt nicht die einfache Story, die vielleicht das Massenpublikum mehr angezogen hätte. In „Sabrina“ geht es langsamer und stiller zu. Die Figuren haben alle mit Einsamkeit und tiefe psychische Wunden zu tun. Am offensichtlichsten sind diese bei Teddy und Sabrinas Schwester Sandra zu vernehmen. Doch auch Calvins seelischer Zustand lässt zu wünschen übrig.
Sehen tut man aber diese Wunden kaum, zumindest was die Mimik der Figuren angeht. Die Gesichter sind sehr einfach gezeichnet, nach dem Motto „Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht“. Das hat dafür gesorgt, dass ich zwischendurch mit den Figuren etwas durcheinandergekommen bin, vor allem wenn Calvin bei der Arbeit ist. Er arbeitet beim Militär und dementsprechend sehen seine Kollegen einfach alle gleich aus. Verstörender ist aber, dass die Figuren immer ein kleines Lächeln im Gesicht haben. Dieses steht im krassen Kontrast zur eigentlichen Gefühlswelt der Figuren. Das ist vor allem bei Teddy sehr befremdlich.
Was die Gesichter an Ausdruck missen lassen, macht die gesamte Gestaltung des Comics aus. Angefangen bei der Farbpalette, über die Räume bis hin zu der Panelgestaltung – alles vermittelt Unbehagen und Leere. Die Farben sind alle in Pastelltönen gehalten, dabei ist beige die dominanteste Farbe. Dadurch verschwimmen die Personen oft mit den Hintergründen, vor allem weil die Räume oft sehr leer sind. Das verstärkt den Eindruck, dass diese ganze Welt verlassen ist. Diesen Eindruck gibt auch die Panelgestaltung wieder. Eigentlich sind alle Seiten gleich aufgebaut: sechs Mal vier Panels. Drnaso spielt aber oft mit dieser Gestaltung, indem er vier Panels zu einem größeren zusammenfasst, sodass manche Momente etwas mehr Raum bekommen. Das lockert die Seitengestaltung und so legt man als Leser auf manche Situationen mehr den Fokus.
Was mich ein bisschen gestört hat, ist das Lettering. Es gibt viele Passagen in „Sabrina“ die komplett ohne Text auskommen. Dann wiederum gibt es Stellen die voll sind mit Text. Das ist zwar eigentlich ganz gut, vor allem wenn die Drohungen von Verschwörungstheoretikern in Gänze abgebildet werden. Aber durch die sehr kleinen Panels ist dementsprechend auch die Schrift sehr klein geraten. Zuhause auf dem Sofa war das zwar kein Problem, im Bus zu lesen wurde dadurch aber unmöglich.
Fazit Eine beklemmende Geschichte sehr packend erzählt! Die Leere der Panels haben die Leere in den Leben der Figuren gut veranschaulicht. Die sehr reduzierten Farben und Gestaltung der Figuren haben das nochmal verstärkt. Aber die sehr minimalistische Figurenzeichnung hat zumindest bei mir dazu geführt, dass ich mit manchen Figuren durcheinandergekommen bin. Auch die kleine Schrift hat hier und da für Kopfschmerzen gesorgt. Das mindert den Sog, den „Sabrina“ auf mich ausgeübt hat, aber nur ein kleines bisschen.
ZURÜCK INS ARCHIV
Sehen tut man aber diese Wunden kaum, zumindest was die Mimik der Figuren angeht. Die Gesichter sind sehr einfach gezeichnet, nach dem Motto „Punkt, Punkt, Komma, Strich, fertig ist das Mondgesicht“. Das hat dafür gesorgt, dass ich zwischendurch mit den Figuren etwas durcheinandergekommen bin, vor allem wenn Calvin bei der Arbeit ist. Er arbeitet beim Militär und dementsprechend sehen seine Kollegen einfach alle gleich aus. Verstörender ist aber, dass die Figuren immer ein kleines Lächeln im Gesicht haben. Dieses steht im krassen Kontrast zur eigentlichen Gefühlswelt der Figuren. Das ist vor allem bei Teddy sehr befremdlich.
Was die Gesichter an Ausdruck missen lassen, macht die gesamte Gestaltung des Comics aus. Angefangen bei der Farbpalette, über die Räume bis hin zu der Panelgestaltung – alles vermittelt Unbehagen und Leere. Die Farben sind alle in Pastelltönen gehalten, dabei ist beige die dominanteste Farbe. Dadurch verschwimmen die Personen oft mit den Hintergründen, vor allem weil die Räume oft sehr leer sind. Das verstärkt den Eindruck, dass diese ganze Welt verlassen ist. Diesen Eindruck gibt auch die Panelgestaltung wieder. Eigentlich sind alle Seiten gleich aufgebaut: sechs Mal vier Panels. Drnaso spielt aber oft mit dieser Gestaltung, indem er vier Panels zu einem größeren zusammenfasst, sodass manche Momente etwas mehr Raum bekommen. Das lockert die Seitengestaltung und so legt man als Leser auf manche Situationen mehr den Fokus.
Was mich ein bisschen gestört hat, ist das Lettering. Es gibt viele Passagen in „Sabrina“ die komplett ohne Text auskommen. Dann wiederum gibt es Stellen die voll sind mit Text. Das ist zwar eigentlich ganz gut, vor allem wenn die Drohungen von Verschwörungstheoretikern in Gänze abgebildet werden. Aber durch die sehr kleinen Panels ist dementsprechend auch die Schrift sehr klein geraten. Zuhause auf dem Sofa war das zwar kein Problem, im Bus zu lesen wurde dadurch aber unmöglich.
Fazit Eine beklemmende Geschichte sehr packend erzählt! Die Leere der Panels haben die Leere in den Leben der Figuren gut veranschaulicht. Die sehr reduzierten Farben und Gestaltung der Figuren haben das nochmal verstärkt. Aber die sehr minimalistische Figurenzeichnung hat zumindest bei mir dazu geführt, dass ich mit manchen Figuren durcheinandergekommen bin. Auch die kleine Schrift hat hier und da für Kopfschmerzen gesorgt. Das mindert den Sog, den „Sabrina“ auf mich ausgeübt hat, aber nur ein kleines bisschen.