Comic - Geschichte
Siehst du es? Grafische Erzählungen über den Schriftsteller Siegfried Lenz
Manchmal stolpert man über Werke, die einen auf den ersten Blick vielleicht nicht sofort ins Auge springen, aber dann doch eine tiefe Resonanz erzeugen. „Siehst du es?“ ist genau so ein Band. Erschienen im März 2026, ist dieses grafische Porträt dem Leben und Werk des unvergessenen Schriftstellers Siegfried Lenz gewidmet, einem Mann, dessen Erzählungen uns noch länger begleiten werden. Lenz, geboren 1926 in Ostpreußen und bis 2014 in Hamburg lebend, ist uns vor allem durch seinen weltberühmten Roman „Deutschstunde“ in Erinnerung geblieben, ein Werk, das die dunklen Schatten der Nazizeit und die Ambivalenzen von Pflichtgefühl eindrücklich beleuchtet. Es ist nicht nur eine literarische Leistung, sondern ein stetiger Mahner. Die Idee, diesem bedeutenden Erzähler mit den Mitteln des Comics und grafischer Erzählkunst zu begegnen, weckt sofort Interesse. Denn die visuelle Interpretation eines Lebens, das so reich an Nuancen und Geschichten ist, verspricht eine ganz neue Perspektive, eine Art Nachspüren, das über reine Textanalysen hinausgeht. Die Liste der beteiligten Künstlerinnen und Künstler, allesamt junge Talente, wirkt sofort erfrischend. Das ist es doch, was wir uns wünschen: Kunst, die inspiriert und Verbindungen schafft, die uns etwas Neues über bekannte Persönlichkeiten und ihre Hinterlassenschaften enthüllt.
HANDLUNG
Zum 100. Geburtstag Siegfried Lenz’ entsteht ein Porträt des großen Erzählers. In 19 kurzen Episoden beleuchten junge Künstler*innen verschiedene Stationen seines Lebens, lassen Wegbegleiterinnen sprechen und teilen ihre eigene Sicht auf den Autor. Ergänzt durch literarische Texte von Lenz und biografische Beiträge von Expert*innen wird sein Leben und Werk facettenreich und lebendig dargestellt.
KRITIK
Das Besondere an „Siehst du es?“ ist zweifellos die schiere Vielfalt der künstlerischen Zugänge. Mit sechzehn unterschiedlichen jungen Illustratoren, die jeweils eine eigene Episode gestalten, wird ein beeindruckendes Spektrum an visuellen Stilen und Interpretationen geboten. Diese stilistische Bandbreite sorgt für eine ständige Abwechslung, die das Lesen niemals eintönig werden lässt. Einige Kapitel sind geradezu gradlinig und konzentriert in ihrer Ausführung, passend zur Ernsthaftigkeit des jeweiligen Themas, während andere mit fantasievolleren Ansätzen spielen. Es ist spürbar, dass hier nicht nach einem starren Schema vorgegangen wurde. Besonders eindrucksvoll beginnt der Band direkt mit einer Darstellung der Zeit unter dem Hakenkreuz. Diese erste Episode setzt sofort die nötige, dichte und nachdenkliche Stimmung und zeigt, dass die Künstler die Schwere dieser Periode verstanden haben. Es ist ein mutiger und wirkungsvoller Einstieg, der den Leser sofort in die komplexe Welt des Autors hineinzieht. Was man im Lesefluss manchmal übersieht, sind die entscheidenden Momente, die die biografischen Stationen von Lenz prägten. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass jede einzelne dieser scheinbar kürzeren Geschichten ein Puzzleteil ist, das zum Gesamtbild beiträgt und für das Verständnis des Autors unabdingbar ist.
Die Einbettung von Originaltexten Siegfried Lenz' sowie biografischen Beiträgen schafft einen unerlässlichen Zusammenhalt zwischen den grafischen Erzählungen und der Literatur. Diese Texte fungieren wie Ankerpunkte, die uns immer wieder zurück zur Quelle, zum Kern des Werkes und Lebens von Lenz führen. Sie klären auf, vertiefen das Verständnis und verhindern, dass die einzelnen grafischen Erzählungen zu isolierten Kunstwerken verkommen. Vielmehr verschmelzen sie zu einem facettenreichen Ganzen. Das Hardcover selbst macht sich übrigens ausgezeichnet in jeder Büchersammlung; es strahlt eine gewisse Wertigkeit aus, die man von einem solchen Werk erwartet. Dieses Buch ist im Grunde ein Biopic, aber eines, das sich wohltuend von der Masse abhebt. Es ist kein eindimensionaler Lebenslauf, sondern ein Kaleidoskop der Perspektiven. Die Tatsache, dass die Geschichte auf so vielen Schultern ruht – der Künstler*innen, der Stiftung, der Experten und natürlich der Autor selbst –, verleiht ihr eine Authentizität und Tiefe, die man selten findet. Man bekommt nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern man erlebt sie aus verschiedenen Blickwinkeln, was ein tieferes Eintauchen in die Persönlichkeit und das Schaffen von Siegfried Lenz ermöglicht. Es ist eine Methode, die dem Wesen der Kunst und des Lebens selbst entspricht: vielschichtig, subjektiv und immer im Wandel.
FAZIT
„Siehst du es?“ ist weit mehr als nur ein Comic über einen Schriftsteller; es ist eine Einladung, sich auf das Leben und Werk von Siegfried Lenz auf eine ganz neue, visuell inspirierende Weise einzulassen.
Copyright: Carlsen
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HANDLUNG
Zum 100. Geburtstag Siegfried Lenz’ entsteht ein Porträt des großen Erzählers. In 19 kurzen Episoden beleuchten junge Künstler*innen verschiedene Stationen seines Lebens, lassen Wegbegleiterinnen sprechen und teilen ihre eigene Sicht auf den Autor. Ergänzt durch literarische Texte von Lenz und biografische Beiträge von Expert*innen wird sein Leben und Werk facettenreich und lebendig dargestellt.
KRITIK
Das Besondere an „Siehst du es?“ ist zweifellos die schiere Vielfalt der künstlerischen Zugänge. Mit sechzehn unterschiedlichen jungen Illustratoren, die jeweils eine eigene Episode gestalten, wird ein beeindruckendes Spektrum an visuellen Stilen und Interpretationen geboten. Diese stilistische Bandbreite sorgt für eine ständige Abwechslung, die das Lesen niemals eintönig werden lässt. Einige Kapitel sind geradezu gradlinig und konzentriert in ihrer Ausführung, passend zur Ernsthaftigkeit des jeweiligen Themas, während andere mit fantasievolleren Ansätzen spielen. Es ist spürbar, dass hier nicht nach einem starren Schema vorgegangen wurde. Besonders eindrucksvoll beginnt der Band direkt mit einer Darstellung der Zeit unter dem Hakenkreuz. Diese erste Episode setzt sofort die nötige, dichte und nachdenkliche Stimmung und zeigt, dass die Künstler die Schwere dieser Periode verstanden haben. Es ist ein mutiger und wirkungsvoller Einstieg, der den Leser sofort in die komplexe Welt des Autors hineinzieht. Was man im Lesefluss manchmal übersieht, sind die entscheidenden Momente, die die biografischen Stationen von Lenz prägten. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass jede einzelne dieser scheinbar kürzeren Geschichten ein Puzzleteil ist, das zum Gesamtbild beiträgt und für das Verständnis des Autors unabdingbar ist.
Die Einbettung von Originaltexten Siegfried Lenz' sowie biografischen Beiträgen schafft einen unerlässlichen Zusammenhalt zwischen den grafischen Erzählungen und der Literatur. Diese Texte fungieren wie Ankerpunkte, die uns immer wieder zurück zur Quelle, zum Kern des Werkes und Lebens von Lenz führen. Sie klären auf, vertiefen das Verständnis und verhindern, dass die einzelnen grafischen Erzählungen zu isolierten Kunstwerken verkommen. Vielmehr verschmelzen sie zu einem facettenreichen Ganzen. Das Hardcover selbst macht sich übrigens ausgezeichnet in jeder Büchersammlung; es strahlt eine gewisse Wertigkeit aus, die man von einem solchen Werk erwartet. Dieses Buch ist im Grunde ein Biopic, aber eines, das sich wohltuend von der Masse abhebt. Es ist kein eindimensionaler Lebenslauf, sondern ein Kaleidoskop der Perspektiven. Die Tatsache, dass die Geschichte auf so vielen Schultern ruht – der Künstler*innen, der Stiftung, der Experten und natürlich der Autor selbst –, verleiht ihr eine Authentizität und Tiefe, die man selten findet. Man bekommt nicht nur eine Geschichte erzählt, sondern man erlebt sie aus verschiedenen Blickwinkeln, was ein tieferes Eintauchen in die Persönlichkeit und das Schaffen von Siegfried Lenz ermöglicht. Es ist eine Methode, die dem Wesen der Kunst und des Lebens selbst entspricht: vielschichtig, subjektiv und immer im Wandel.
FAZIT
„Siehst du es?“ ist weit mehr als nur ein Comic über einen Schriftsteller; es ist eine Einladung, sich auf das Leben und Werk von Siegfried Lenz auf eine ganz neue, visuell inspirierende Weise einzulassen.
Copyright: Carlsen