Comic - Drama

Somnambule

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Somnambule
SomnambuleComic - Drama | mit: Anke Feuchtenberger Bewertung:★★★★★ Im Comic „Somnambule“ von Anke Feuchtenberger lernen wir eine abstrakte Kunstwelt kennen, die nicht ganz abseits der Realität angesiedelt ist, dennoch im Bereich einer skurrilen Wahrnehmung ihre Heimat findet. Feuchtenbergers Figuren sind meistens Frauen und sie sind nackt. Sie haben eine eigensinnige Ästhetik, die interessante und offene Ansätze zu speziellen Themen bereit stellt. Ihre Comics werden international vermarktet und so sprechen sie nun auch französisch, englisch, italienisch und chinesisch. In „Somnambule“ musste wohl kein Übersetzer arrangiert werden, da es nur wenige Wörter enthält. Handlung Die Hasenfrau heult den Mond an. Ist sie wach oder schläft sie? Aufstieg und Absturz, Anziehung und Abstoßung. Die Planeten rumpeln, die Bohne wächst in den Himmel, die Mutter lächelt süß oder wendet sich ab. Mit den Masken von Sorgfalt und Nachlässigkeit bewegt sich die Hasenfrau durch die Gezeiten der Weiblichkeit. Der Kuss landet nicht dort, wo er soll, in das Leben eines Menschen ist nur ein Vorspiel, das von jemand anderem geträumt wird. Bewertung„Somnambule“ ist schwer zu bewerten. Übersetzt heißt der Titel so etwas wie Schlafwandeln. Wenn ich die Geschichten aus dem Blick eines schlafenden Träumers betrachte und mich intensiv mit dem Inhalt und seiner Bedeutung, zumindest meine persönliche Interpretation, auseinandersetze, dann kann ich ruhigen Gewissens eine überragende fünf Sterne Bewertung vergeben. Das Durchblättern funktioniert fast so schnell wie ein Daumenkino. Ihr liest diesen Comic, indem ihr drüber nachdenkt. Lasst die Panels auf Euch wirken, lehnt Euch zurück und denkt Tage über diese nach. Welche Bedeutung haben sie, wie sieht ihr die Dinge.

Besonders toll ist die Geschichte mit der Bohne. Sie wird geköpft, getrimmt, eingepackt und die Frucht stört. Dabei wird ein männliches Geschlechtsorgan eingewickelt. Klingt in erster Linie ein wenig geschmacklos, aber keine Angst, alles ästhetisch gestaltet. Das Gehänge des Mannes wird so auch nicht gezeigt. Dafür nackte Frauen. Aber auch nicht gerade so, wie im Playboy. Hier entwickeln sich die Damen. Eine entdeckt sogar ihren weiblichen Körper, ihre Sexualität. Die andere, eher Mädchen - obwohl sie manchmal wirkt wie eine Erwachsene -, hat Angst vor der offenen Tür. Vor der Dunkelheit, vor dem groß werden oder will sie nicht ausbrechen? Will sie in ihrem Alltag bleiben, in ihrem gewohnten Trott!? Das darf alles der Leser entscheiden.

Die Zeichnungen sind alle in schwarz und weiß gehalten. Sie sind ausdrucksstark, bieten teilweise viel zu Entdecken und dann sind sie wieder so wortkarg. Lassen wiederum viel Interpretationsspielraum. Umso öfter ich sie mir angesehen habe, desto mehr wurde ich mit ihnen warm. Zu Beginn war ich noch recht verstört, gar eingeschüchtert. Lag es an dem rabiaten Vorgehen der Frauen gegenüber der Bohne? Ich müsst dazu eine Psychologin aufsuchen. So viel Spaß serviert uns Anke Feuchtenberger und der „Reprodukt“ Verlag und das für nur 18 Euro. Aber aufgepasst, das ist wirklich nur etwas für Feinschmecker. Fazit „Somnambule“ ist ein Comic, welches sich im Kopf des Lesers einnistet. Es ist wundervoll offen, spricht ehrlich und ist etwas für künstlerische Genießer.
ZURÜCK INS ARCHIV