Comic - Abenteuer
Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 12 (1980-1983) (Carlsen)
Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 12 (1980-1983) (Carlsen)Comic - Abenteuer | mit: von Raoul Cauvin, Nic Broca Bewertung:★★★★★ Anfang der Achtziger Jahre befindet sich das Verlagshaus Dupuis im Umbruch, auch die Verkaufszahlen des wichtigen Magazins Spirou bereiten Anlass zur Sorge. Und gerade wohl deswegen entbrennt hinter den Kulissen ein durchaus aggressiver Streit zur weiteren Ausrichtung einer der wichtigsten Serien des Verlagshauses: Spirou und Fantasio. Gleich mehrere kreative Teams arbeiten unter stark voneinander abweichenden Voraussetzungen an der Serie, dementsprechend verunsichert sind die Leser. Glücklicherweise aber merkt man das aus heutiger Sicht beim Lesen dieser Gesamtausgabe kaum. Auch wenn bei Cauvin und Nic viele vertraute Rummelsdorfer Persönlichkeiten fehlen, die Geschichten sind wie immer spritzig, bunt, spaßig und rasant. Taucht ein in die Welten dieses immer jungen Klassikers, Ihr werdet es nicht bereuen!
Handlung Sonne, Strand und Faulenzen, so hatte sich Spirou das gedacht. Doch der quirlige Fantasio hat andere Pläne, kauft sich kurzerhand ein leicht altersschwaches Motorboot und schon sind die Freunde auf hoher See, genießen Sonne und Wind. Allerdings währt die Freude nicht lange, von einer Sekunde auf die andere geraten die Beiden in einen eisigen Schneesturm - das kann doch nicht sein! Verantwortlich dafür ist eine „Eiszeit-Maschine“, entwickelt von drei liebenswerten Wissenschaftlern, die Spirou und Fantasio verzweifelt um Hilfe bitten: Einige bis an die Zähne bewaffneten Ganoven wollen die Insel der drei Tüftler stürmen und alle ihre genialen Erfindungen stehlen. Dass da Spirou und Fantasio etwas dagegen haben, ist klar: Lachmuskeln bereithalten!
Die zweite Episode ist eine direkte Fortsetzung der ersten, Freund und Feind identisch. Den Gaunern gelingt es, die Pläne für viele bahnbrechende Erfindungen der drei Wissenschaftler zu stehlen, eine wahre „Büchse der Pandora“! Immerhin konnte Fantasio die Baupläne für ein geniales Kleinfluggerät beiseiteschaffen und sofort nehmen die Freunde die Verfolgung der fiesen Genossen in die Wüste Widi auf: Klar dass es dort jetzt heiß hergeht!
Eine weitere technische Meisterleistung präsentiert Fantasio seinen Freunden im letzten Album: Sein „Lärmschlucker“ vermag alle Arten von Geräuschen vollständig zu neutralisieren und zwar komplett! Eigentlich schon eine tolle Idee, auf Knopfdruck Ruhe und Entspannung für stressgeplagte Mitmenschen. Allerdings: Was macht beispielsweise ein Pilot, der plötzlich den Motor seines Flugzeugs nicht mehr hört? Er greift panisch zum Fallschirm und springt ab, sein verlassenes Fluggerät wird zur Zeitbombe! Natürlich fallen auch den schon bekannten Gaunern allerlei Möglichkeiten ein, das Gerät für ihre verbrecherischen Zwecke einzusetzen: Denn wenn niemand die Alarmanlage schrillen hört, dann hilft sie auch nichts!
Abgerundet wird der bunte Reigen durch drei chronologisch eingereihte, kürzere Geschichten aus der Feder von Cauvin und Nic und hier gibt sich unter anderem auch Graf Pankratius von Rummelsdorf die Ehre! BewertungLaut der einleitenden, akribisch zusammengestellten zeitgeschichtlichen Dokumentation zur Comicserie musste das Team Raoul Cauvin und Nic Broca, letzterer ein Neueinsteiger in der Comic-Szene, herbe Kritik an seinen Arbeiten zu Spirou und Fantasio einstecken. Selbst Kollegen, oftmals Freunde des ausgebooteten Fournier, beteiligten sich mit abwertenden Kommentaren. Doch damit nicht genug: Neben Cauvin und Nic arbeiteten parallel weitere kreative Teams an Stories um Spirou und Fantasio, praktisch in gegenseitiger Konkurrenz. Und zu allem Überfluss mussten die Teams unter stark unterschiedlichen Voraussetzungen arbeiten. Beispielsweise wurde es Cauvin und Nic nach einigen kürzeren Episoden von Charles Dupuis persönlich untersagt, auf die früheren Begleitcharaktere von Franquin und Fournier zurückzugreifen. Den anderen Teams wurde diese Einschränkung dagegen nicht auferlegt. Ein klarer Nachteil für die Arbeit der Beiden. Einige Verantwortliche dachten sogar daran, nach amerikanischem Vorbild eine Art Spirou-Studio mit vielen Zeichnern zu gründen, um dort Comics wie am Fließband zu produzieren. Wegen all dieser Unstimmigkeiten und Unentschlossenheit wurden auch die Leser mehr und mehr unzufrieden, direkte Briefe der Verantwortlichen an die Leserschaft halfen wenig. Und selbst Charles Dupuis, der gerne zu den Anfängen der Serie zurückwollte, entglitten allmählich die Zügel, eine unruhige Zeit für Alle! Man konnte sich nicht auf eine gemeinsame Stoßrichtung einigen, Seiten mussten auf Anweisung nachträglich verändert werden und die seltsam aggressive Stimmung schlug sogar bis zum Comic selbst durch: In der Originalversion von „Der Lärmschlucker“ verpasst Spirou seinem Freund Fantasio doch glatt eine gewaltige Ohrfeige! Cauvin kam später zu dem Schluss, dass er und Nic von Anfang an nur als Interimslösung gedacht waren, um den Weg für die Übernahme durch Tome und Janry zu ebnen. Immerhin ist Nic und Cauvin nun aber dieser vorliegende Band der Spirou und Fantasio Gesamtausgabe gänzlich gewidmet! Eine Arbeit, die sich trotz aller Unwägbarkeiten sehen und sehr gut lesen lassen kann! Zeitlose, leicht überspitzt und cartoonartig dargestellte Charaktere sowie mit allerlei Details und spaßigen Feinheiten ausgearbeitete Hintergrundzeichnungen sind ebenso wie die witzige Situationskomik unverwechselbar und immer wieder aktuell. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Höhepunkte frankobelgischer Comickunst bereits vor knapp 40 Jahren entstanden sind! Nicht zu verkennen ist in den Arbeiten von Cauvin und Nic auch ein wissenschaftlich-technisches Element, möglicherweise als feine Hommage an die legendären Arbeiten von Franquin, einem Freund von schnittigen Automobilen und allerlei technischen Neuerungen und Erfindungen. Der hatte sicher seine Freude an den „Anti-Blubb“-Schuhen von Jefferson und seinen genialen Erfinderkollegen.
Darüber hinaus enthält die Dokumentation zur Comicserie und ihren Gestaltern diverse Interviews, Fotos, Illustrationen, teilweise unveröffentlichte Zeichnungen und Abbildungen sowie verschiedene Anekdoten, humorvoll bis bösartig. Auch sind detaillierte Informationen zu Nics vorheriger und auch nachfolgender Tätigkeit als Chefanimator für Zeichentrickfilme zu entdecken. So sehr ähnlich sich Comic und Zeichentrickfilm auch zu sein scheinen, so unterschiedlich sind sie doch in Produktion und der Wirkung auf den Leser bzw. Betrachter. Erwähnenswert ist zudem der Abdruck der weiter oben diskutierten letzten vier Seiten der in Magazinform veröffentlichten Originalversion der Episode „Der Lärmschlucker“ mit Spirou´s Ohrfeige für Fantasio und weiteren, unerwarteten Absonderlichkeiten. Für die spätere Veröffentlichung in Albenform musste dann auf Anweisung ein neuer Schluss gezeichnet werden. Ein weiteres pikantes Detail zu dieser Episode: Ein sehr ähnliches Szenario wurde bereits Jahre vorher den Lesern von Sophie präsentiert!
Fazit Dass die treuen Leser von Spirou und Fantasio in den Geschichten von Cauvin und Nic auf vertraute Charaktere wie den Grafen von Rummelsdorf oder das Marsupilami verzichten müssen, war tatsächlich nicht deren Schuld. Sie mussten sich an die Vorgaben der Leitung von Dupuis halten und waren so gezwungen, ihre eigene Interpretation der Serie zu schaffen. Doch Spirou, Fantasio, der vorlaute Pips sowie ihre neu gewonnen Freunde können dieses kleine Manko problemlos ausgleichen. Wie auch jede frühere Episode ein Lesevergnügen für Jung und Alt (letzteres kann ich definitiv bestätigen)!
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Handlung Sonne, Strand und Faulenzen, so hatte sich Spirou das gedacht. Doch der quirlige Fantasio hat andere Pläne, kauft sich kurzerhand ein leicht altersschwaches Motorboot und schon sind die Freunde auf hoher See, genießen Sonne und Wind. Allerdings währt die Freude nicht lange, von einer Sekunde auf die andere geraten die Beiden in einen eisigen Schneesturm - das kann doch nicht sein! Verantwortlich dafür ist eine „Eiszeit-Maschine“, entwickelt von drei liebenswerten Wissenschaftlern, die Spirou und Fantasio verzweifelt um Hilfe bitten: Einige bis an die Zähne bewaffneten Ganoven wollen die Insel der drei Tüftler stürmen und alle ihre genialen Erfindungen stehlen. Dass da Spirou und Fantasio etwas dagegen haben, ist klar: Lachmuskeln bereithalten!
Die zweite Episode ist eine direkte Fortsetzung der ersten, Freund und Feind identisch. Den Gaunern gelingt es, die Pläne für viele bahnbrechende Erfindungen der drei Wissenschaftler zu stehlen, eine wahre „Büchse der Pandora“! Immerhin konnte Fantasio die Baupläne für ein geniales Kleinfluggerät beiseiteschaffen und sofort nehmen die Freunde die Verfolgung der fiesen Genossen in die Wüste Widi auf: Klar dass es dort jetzt heiß hergeht!
Eine weitere technische Meisterleistung präsentiert Fantasio seinen Freunden im letzten Album: Sein „Lärmschlucker“ vermag alle Arten von Geräuschen vollständig zu neutralisieren und zwar komplett! Eigentlich schon eine tolle Idee, auf Knopfdruck Ruhe und Entspannung für stressgeplagte Mitmenschen. Allerdings: Was macht beispielsweise ein Pilot, der plötzlich den Motor seines Flugzeugs nicht mehr hört? Er greift panisch zum Fallschirm und springt ab, sein verlassenes Fluggerät wird zur Zeitbombe! Natürlich fallen auch den schon bekannten Gaunern allerlei Möglichkeiten ein, das Gerät für ihre verbrecherischen Zwecke einzusetzen: Denn wenn niemand die Alarmanlage schrillen hört, dann hilft sie auch nichts!
Abgerundet wird der bunte Reigen durch drei chronologisch eingereihte, kürzere Geschichten aus der Feder von Cauvin und Nic und hier gibt sich unter anderem auch Graf Pankratius von Rummelsdorf die Ehre! BewertungLaut der einleitenden, akribisch zusammengestellten zeitgeschichtlichen Dokumentation zur Comicserie musste das Team Raoul Cauvin und Nic Broca, letzterer ein Neueinsteiger in der Comic-Szene, herbe Kritik an seinen Arbeiten zu Spirou und Fantasio einstecken. Selbst Kollegen, oftmals Freunde des ausgebooteten Fournier, beteiligten sich mit abwertenden Kommentaren. Doch damit nicht genug: Neben Cauvin und Nic arbeiteten parallel weitere kreative Teams an Stories um Spirou und Fantasio, praktisch in gegenseitiger Konkurrenz. Und zu allem Überfluss mussten die Teams unter stark unterschiedlichen Voraussetzungen arbeiten. Beispielsweise wurde es Cauvin und Nic nach einigen kürzeren Episoden von Charles Dupuis persönlich untersagt, auf die früheren Begleitcharaktere von Franquin und Fournier zurückzugreifen. Den anderen Teams wurde diese Einschränkung dagegen nicht auferlegt. Ein klarer Nachteil für die Arbeit der Beiden. Einige Verantwortliche dachten sogar daran, nach amerikanischem Vorbild eine Art Spirou-Studio mit vielen Zeichnern zu gründen, um dort Comics wie am Fließband zu produzieren. Wegen all dieser Unstimmigkeiten und Unentschlossenheit wurden auch die Leser mehr und mehr unzufrieden, direkte Briefe der Verantwortlichen an die Leserschaft halfen wenig. Und selbst Charles Dupuis, der gerne zu den Anfängen der Serie zurückwollte, entglitten allmählich die Zügel, eine unruhige Zeit für Alle! Man konnte sich nicht auf eine gemeinsame Stoßrichtung einigen, Seiten mussten auf Anweisung nachträglich verändert werden und die seltsam aggressive Stimmung schlug sogar bis zum Comic selbst durch: In der Originalversion von „Der Lärmschlucker“ verpasst Spirou seinem Freund Fantasio doch glatt eine gewaltige Ohrfeige! Cauvin kam später zu dem Schluss, dass er und Nic von Anfang an nur als Interimslösung gedacht waren, um den Weg für die Übernahme durch Tome und Janry zu ebnen. Immerhin ist Nic und Cauvin nun aber dieser vorliegende Band der Spirou und Fantasio Gesamtausgabe gänzlich gewidmet! Eine Arbeit, die sich trotz aller Unwägbarkeiten sehen und sehr gut lesen lassen kann! Zeitlose, leicht überspitzt und cartoonartig dargestellte Charaktere sowie mit allerlei Details und spaßigen Feinheiten ausgearbeitete Hintergrundzeichnungen sind ebenso wie die witzige Situationskomik unverwechselbar und immer wieder aktuell. Es ist schwer vorstellbar, dass diese Höhepunkte frankobelgischer Comickunst bereits vor knapp 40 Jahren entstanden sind! Nicht zu verkennen ist in den Arbeiten von Cauvin und Nic auch ein wissenschaftlich-technisches Element, möglicherweise als feine Hommage an die legendären Arbeiten von Franquin, einem Freund von schnittigen Automobilen und allerlei technischen Neuerungen und Erfindungen. Der hatte sicher seine Freude an den „Anti-Blubb“-Schuhen von Jefferson und seinen genialen Erfinderkollegen.
Darüber hinaus enthält die Dokumentation zur Comicserie und ihren Gestaltern diverse Interviews, Fotos, Illustrationen, teilweise unveröffentlichte Zeichnungen und Abbildungen sowie verschiedene Anekdoten, humorvoll bis bösartig. Auch sind detaillierte Informationen zu Nics vorheriger und auch nachfolgender Tätigkeit als Chefanimator für Zeichentrickfilme zu entdecken. So sehr ähnlich sich Comic und Zeichentrickfilm auch zu sein scheinen, so unterschiedlich sind sie doch in Produktion und der Wirkung auf den Leser bzw. Betrachter. Erwähnenswert ist zudem der Abdruck der weiter oben diskutierten letzten vier Seiten der in Magazinform veröffentlichten Originalversion der Episode „Der Lärmschlucker“ mit Spirou´s Ohrfeige für Fantasio und weiteren, unerwarteten Absonderlichkeiten. Für die spätere Veröffentlichung in Albenform musste dann auf Anweisung ein neuer Schluss gezeichnet werden. Ein weiteres pikantes Detail zu dieser Episode: Ein sehr ähnliches Szenario wurde bereits Jahre vorher den Lesern von Sophie präsentiert!
Fazit Dass die treuen Leser von Spirou und Fantasio in den Geschichten von Cauvin und Nic auf vertraute Charaktere wie den Grafen von Rummelsdorf oder das Marsupilami verzichten müssen, war tatsächlich nicht deren Schuld. Sie mussten sich an die Vorgaben der Leitung von Dupuis halten und waren so gezwungen, ihre eigene Interpretation der Serie zu schaffen. Doch Spirou, Fantasio, der vorlaute Pips sowie ihre neu gewonnen Freunde können dieses kleine Manko problemlos ausgleichen. Wie auch jede frühere Episode ein Lesevergnügen für Jung und Alt (letzteres kann ich definitiv bestätigen)!