Comic - Abenteuer

Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 13 – Tome & Janry 1981-1983

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 13 – Tome & Janry 1981-1983
Spirou und Fantasio Gesamtausgabe 13 – Tome & Janry 1981-1983Comic - Abenteuer | mit: Tome (Autor), Janry (Illustrator)Bewertung:★★★★★ Spirou und Fantasio – wie immer ihrer Zeit weit voraus und brandaktuell: Bereits Anfang der Achtziger Jahre sehen sich die Beiden konfrontiert mit einem tödlichen, mutierenden Virus, gegen das Impfungen wirkungslos sind! Und da einige üble Gestalten das fiese Virus gerne für ihre finsteren Machenschaften nutzen wollen, müssen Spirou und Fantasio natürlich eher zu unkonventionellen Methoden der Virus- und Gaunerbekämpfung greifen, sehr allerdings zur Erheiterung und Belustigung der Leser! Und das ist nur ein Kleinod aus diesem extra umfangreichen, dreizehnten Band der Gesamtausgabe der beiden Entertainer, die sich ganz dem frühen Werk des Künstlerduos Tome und Janry widmet. Wie immer reichhaltig an Gags, Späßen, Action und Chaos, durchaus auch aber garniert und verfeinert mit scharfer Ironie, Intelligenz, Moral und Sozialkritik, so dass man an manchen Stellen durchaus ins Grübeln kommen kann. Eine fast schon als modern zu bezeichnende Ausprägung eines zeitlosen Comic- Klassikers – einfach genial!
  Handlung Eine genaue Beschreibung des Inhaltes würde den Rahmen dieser Rezension sprengen, zu reichhaltig und vielfältig ist das Angebot, welches mehrere Kurzgeschichten und drei längere Episoden sowie eine detaillierte, zeitgeschichtliche Dokumentation zum mühevollen Einstieg von Tome und Janry bei Dupuis umfasst. Spirou, Fantasio und Pips sind rund um die Uhr beschäftigt, schlittern von einem Desaster ins nächste, reisen zwischen Bangkok, Australien, Rummelsdorf und dem Südpol und sehen sich und ihre neuen und alten Freunde konfrontiert mit Spionen, Stinktieren, Viren, australischen Schamanen, Comicfälschern, Strauchdieben, Gaunern und, für Fantasio fast noch schlimmer, konkurrierenden Reportern! Als krönender Abschluss dann Marylin, eine wildgewordene Roboter-Blondine! Von den Autoren gedacht als sozialkritische Anspielung auf die Entmenschlichung der Arbeitswelt, musste ich dagegen allerdings eher an den „Terminator“ denken, so wüst grob geht es zur Sache, bis hin zum „Maschinenkannibalismus“. Und sogar ein kurzer Einblick in die Jugend von Spirou sowie all seinen Freunden und Schöpfern wird den Lesern nicht vorenthalten. In dem Zusammenhang findet sich auch eine kluge Feststellung von Paul (Dupuis): „Fantasie gibt der Wahrheit erst die Würze“!
BewertungBevor Tome und Janry die Serie ganz übernahmen, herrschte hinter den Kulissen ziemliches Chaos. Bis zu drei Künstlerteams arbeiteten zeitgleich und konkurrierend an den Abenteuern von Spirou und Fantasio. Auch Tome und Janry, damals nur Hintergrundzeichner und Assistenten beim Konkurrenzblatt Tintin, kamen erst durch eine Art Wettbewerb ins Spiel. Scheinbar trafen die Beiden durch ihre Kombination aus Bescheidenheit, Respekt, teilweiser Rückkehr zu den Anfängen, dem Einbringen neuer Nuancen, ihrer „Lust auf Erneuerung“ sowie ihrer gänzlichen Hingabe an Spirou einen Nerv bei den Verantwortlichen. Und zwar bis hin zu Charles Dupuis und Franquin, letzterer war Tome und Janry äußerst freundschaftlich gesonnen. Nach letzten gelegentlichen „Störfeuern“ anderer Künstler – noch erkennbar, bei genauem Lesen, am leichten Bruch der Chronologie der vorgestellten Abenteuer aus der Feder von Tome und Janry – ging die Serie schließlich ganz an die Beiden über. Und mit dem Segen ihres Idols Franquin konnte fast nichts mehr schiefgehen – der Rest ist Geschichte! Und so fetzen die Freunde, wie schon seit Jahrzehnten, ohne jede Spur von Müdigkeit von Panel zu Panel, verkloppen die Fieslinge, unterstützen raffiniert und doch grundehrlich die gute Sache und erleben dabei selbst so manche Überraschung, langweilig wird es nie! Und weitere Konstanten natürlich auch die charakteristische, unverwechselbare und zeitlose, graphische Aufarbeitung sowie die vielen, wirklich genialen Späße, wie beispielsweise ein „Frostschutzmittel“ für Menschen am Südpol, Namen wie Doktor Camford aus Oxbridge oder ein knutschender, vollautomatischer Fotoapparat! Hier muss man nicht mehr allzu viele Worte verlieren! Nicht fehlen darf selbstverständlich die diesem Band vorausgestellte, wie immer akribisch zusammengetragene, zeitgeschichtliche Dokumentation zur Comicserie zu Beginn der Achtziger Jahre. Wirklich prall gefüllt mit Hintergrundinformationen und Anmerkungen zum Künstlerduo Tome und Janry, Fotos, Interviews, Originalzeichnungen und Titelbildern aus dem Magazin Spirou, welches sich damals ebenso wie die Serie selbst im Umbruch befand. Aufgelockert wird das Buch durch zahlreiche großformatige Original-Cover-Abbildungen desselben Magazins. Und sogar ein kleiner Verweis zu Asterix und Co. ist zu entdecken! Fazit Ein durchaus gelungener Start für Tome und Janry, die Anfang der Achtziger Jahre nach allerdings erheblichen Startschwierigkeiten schließlich das künstlerische Zepter bei Spirou und Fantasio übernahmen. Einerseits rücken sie die Serie wieder näher an die klassischen Arbeiten von Franquin, zum „echten“ Spirou heran, stellen Spirou und Fantasio wieder die alten Bekannten aus Rummelsdorf oder auch Steffani zur Seite, andererseits bringen sie auch frischen Wind in die Seiten dieses sich ständig im Wandel befindlichen Klassikers. Spritzig, zeitlos, gewitzt, sozialkritisch, von ironischen Anspielungen, teils überbordenden (tierischen) Hintergrund-Nebenhandlungen und genialen, zuweilen sogar etwas makabren Scherzen durchsetzt, wie immer die reinste Lese-Freude. Hoffentlich noch für viele weitere Jahrzehnte!
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