Comic - Abenteuer

Spirou und Fantasio Spezial 26: Spirou oder: Die Hoffnung, Teil 1

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Spirou und Fantasio Spezial 26: Spirou oder: Die Hoffnung, Teil 1
Spirou und Fantasio Spezial 26: Spirou oder: Die Hoffnung, Teil 1 Comic - Abenteuer | mit: Emile BravoBewertung:★★★★★ Zurück zu den Anfängen: Ein junger Page namens Spirou und sein etwas abgedrehter Freund Fantasio fristen 1940 in Brüssel ein eher einfaches, unspektakuläres Leben. Noch ist Belgien zwar neutral, der Lärm des Krieges aber rückt immer näher. Und dann, im Frühling 1940 ist es soweit, deutsche Kriegsbomber werfen ihre todbringende Fracht auf die völlig überraschte Stadt! Émile Bravo präsentiert eine weitere hochemotionale, ebenso lustige wie berührende Episode von Spirou und Fantasio in klassischem Gewande. Comic-Freunde jeden Alters werden begeistert sein! Volle Punktzahl! Handlung Im Winter 1940 kann sich der stets hilfsbereite Page Spirou noch streitenden, Schneeball werfenden Kindern widmen – wobei einige der Schneebälle mit Steinen gefüllt sind und ordentlich weh tun – im Frühjahr aber ist der Spaß endgültig vorbei. Deutsche Bomben verwüsten die Stadt, deutsch-jüdische Emigranten werden verhaftet und abgeführt – darunter auch Spirous neuer Freund, der Maler Felix – und der irgendwie fahnenflüchtige Soldat Fantasio steht vor den Trümmern seines völlig zerstörten Mietshauses. Bald treffen französische und englische Truppen in Belgien ein, die Offiziere steigen ab im Hotel Moustic, wo Spirou arbeitet. Und als ob das alles noch nicht schlimm genug wäre, erhält Spirou dann einen Brief von seiner Freundin Kassandra. Das polnisch-jüdische Mädchen ist nach Russland geflohen, soll von dort aber nach Deutschland ausgeliefert werden! Spirou ist verzweifelt, will ihr unbedingt helfen, aber was kann er schon tun? Und dabei ist man dankbar, dass die Freunde die tatsächliche, fatale Situation in Nazideutschland mit all ihren Schrecken noch gar nicht erahnen. Später schließen sich Spirou und Fantasio dann einem Flüchtlingszug belgischer Landsleute Richtung Frankreich an und müssen erkennen, dass sich Franzosen, Belgier und Engländer in den Wirren des Krieges auch nicht wirklich einig sind. Bravo arbeitet teilweise mit erschreckend vertrauten Bildern, die aktueller sind denn je. Durch die einmarschierenden Deutschen – meist symbolhaft als „schwarze Männer“ dargestellt – ändert sich die Situation schlagartig, nun sollen die Nazi-Offiziere ins Hotel Moustic einziehen und viele Institutionen und Bürger „passen sich den Besatzern an“. Als sich dann der unbeherrschte Fantasio auch noch mit der Gestapo anlegt, gerät die Situation weiter außer Kontrolle, die Gräuel von Krieg und Verfolgung kommen für die Freunde immer näher und näher. Dennoch verliert der lebensfrohe Spirou nie den Mut und hat immer ein Lächeln und eine freundliche Geste für seine Mitmenschen bereit, wie schlecht es ihm selbst auch gehen mag. Und genau das ist wichtiger als Waffen, Kampf und Gewalt! Und für den chaotischen Fantasio scheint das ganze Leben ohnehin nur ein Witz zu sein, Krieg hin oder her!BewertungWenn man es nicht wüsste, würde man die vorliegende Arbeit in die klassische Spirou und Fantasio Ära einsortieren, vielleicht sogar noch vor Franquin. Präzise Konturen, eine flächige, einfarbige Kolorierung unter weitgehendem Verzicht auf Schattierungen und Farbverläufe, in vereinfacht-abstrahierter Form dargestellte Personen, ein absolut souveräner und markanter Strich! Alle Zeichnungen liebevoll ausgeführt, die Bildhintergründe brillant und detailverliebt, ein übersichtliches Paneldesign. Tatsächlich sagt Bravo: „Mir liegen die Arbeitsmethoden von Hergé sehr“ und das merkt man auch. Humor, Witz und Situationskomik sind nicht laut und grell, sondern intelligent, unaufdringlich, treffend und manchmal sogar von einem Anflug Trauer überzogen, beispielsweise als Fantasio vor den Trümmern seiner Wohnung steht und sagt, dass er für eine so heruntergekommene Wohnung keinesfalls Miete bezahlen werde. Gerade über den wie verrückt durch die Geschehnisse tobenden, irgendwie unbelehrbaren Fantasio, der es so nebenbei schafft, dass ein ganzes belgisches Fort durch die Deutschen erobert wird, muss man ständig schmunzeln. Hin und wieder aber, wenn er sich zum Beispiel über die Kunst des armen Felix lustig macht, schießt er klar übers Ziel hinaus und man würde ihm wirklich gerne eine verpassen. Auch Spirou ist immer mal wieder für einen Scherz gut, bei ihm überwiegt aber eher eine nachdenkliche, melancholische Grundstimmung. Überhaupt wirkt Spirou wesentlich jünger, naiver als der Soldat und Reporter Fantasio und weigert sich Waffen auch nur anzufassen. Allerdings: Im Nahkampf Mann gegen Mann aber schlägt er sich durchaus gut! Ein kurzer, dokumentarischer Anhang ordnet das vorliegende Werk ein in das ständig wachsende und nach wie vor faszinierende Spirou und Fantasio-Universum mit all seinen abwechslungsreichen Facetten. Interessanterweise wird im Jahre 1940 das erste Mal Schloss Rummelsdorf erwähnt! Man erfährt auch viel Wissenswertes über die historischen Hintergründe, die Entstehung des vorliegenden Werkes sowie seinen Schöpfer Émile Bravo, der bereits eine Episode von Spirou und Fantasio erzählt hat. Er hat sich, um die Vergangenheit für die Leser wieder lebendig werden zu lassen, gefragt, was er im Alter von Spirou, an seiner Stelle gemacht hätte! Fazit Ein ernst zu nehmendes, lehrreiches Comic-Werk in Überlänge, das man stets mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachtet und das nie langweilig wird, welches trotz bekanntem Gewand mit allerlei Überraschungen und fein ausgearbeiteten Eindrücken aus der Kriegszeit in Brüssel aufwarten kann. Szenarist Émile Bravo arbeitet nicht mit expliziten Gewaltdarstellungen, die Schrecken der damaligen Zeit werden dennoch durchaus greifbar. Ein garantiertes Lesevergnügen für Alt und Jung, welches jedoch den Lesern ein gewisses Maß an Konzentration, Aufmerksamkeit und auch Einsicht abverlangt. Eine wunderbare Hommage an das goldene Zeitalter frankobelgischer Comics!
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