Comic - Abenteuer

Spirou und Fantasio Spezial Nr.30 – Bei den Sowjets

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Spirou und Fantasio Spezial Nr.30 – Bei den Sowjets
Spirou und Fantasio Spezial Nr.30 – Bei den Sowjets Comic - Abenteuer | mit: Fred Neidhardt (Autor), Fabrice Tarrin Bewertung:★★★★★ Spirou und Fantasio lassen aber auch wirklich gar nichts aus: Auf ihrer Suche nach dem nach Russland entführten Grafen von Rummelsdorf geraten die Beiden doch wirklich in eines der berüchtigten sibirischen Gulag-Straflager. Wie gut, dass Spirou der Lager-Kommandantin schmackhafte, echt belgische Fritten zubereiten kann! Doch damit ist die weltweite Gefahr durch das neu entdeckte „Gen des Kommunismus“ noch lange nicht gebannt, nicht zuletzt weil Rummelsdorf scheinbar zu den Sowjets übergelaufen ist! Und schwuppdiwupp, schon befinden wir uns in einem weiteren, vergnüglichen, unterhaltsamen und überaus spannenden Katz- und Maus-Spiel, diesmal vor der Kulisse Russlands in den 50er Jahren. Wie immer ist jede Seite angefüllt mit einem kunterbunten Blumenstrauß von humoristischen Anspielungen, Pointen, Witzen sowie Situationskomik, aber auch sozialkritische Ansätze finden natürlich Berücksichtigung. Besonders gut allerdings kommen die meisten Russen der damaligen Zeit nicht weg! Handlung Eine friedliche Nacht im verschneiten Schloss Rummelsdorf wird von einem Trupp russischer Agenten schamlos ausgenutzt und am nächsten Tag ist der Graf verschwunden! Schnell führen die Spuren die Freunde nach Moskau, ein mit russischen Strahlen hypnotisierter Pips weist den Weg. Dort bringen sie in Erfahrung, dass es Professor Lyssenko gelungen ist, das in jedem Menschen schlummernde „Gen des Kommunismus“ mithilfe eines Pilzextraktes zu aktivieren! Und da Lyssenko zur weltweiten Durchsetzung des Kommunismus gerne alle diese Schläfer aktivieren möchte, braucht er viel Pilzextrakt – doch der entsprechende Pilz wächst sehr, sehr langsam. Und genau hier soll der Graf als führender, unangefochtener Pilzexperte helfen und wird darüber hinaus selbst zum ersten Versuchskaninchen Lyssenkos. Spirou und Fantasio geben ihr Bestes, reisen nach Moskau, trinken Wodka in rauen Mengen und versuchen über die düstere Unterwelt der Metropole in die Forschungslabore Lyssenkos einzudringen. Doch, wenn auch fanatisch und etwas verdreht, unaufmerksam sind die Russen nicht: Ein kleiner Fehltritt und schon landen die Freunde im bitterkalten Gulag mitten in Sibirien! Und ohne die Hilfe ihrer neuen Freundin, Natalja, wären sie dort auch sehr lange geblieben. Doch zum Ausruhen bleibt keine Zeit, denn die mörderischen Raketen - auf alle Metropolen der Welt ausgerichtet und randvoll mit dem Alle gleich machenden Pilzelixier – sind startklar! BewertungEin weiteres Highlight aus der spin-off-Serie Spirou & Fantasio Spezial, die von wechselnden Gastkünstlern betreut wird und auch immer wieder neue interessante Interpretationen des Klassikers hervorbringt. Und wie so oft, ist auch das Team Fred Neidhardt und Fabrice Tarrin bereits bestens mit dem Spirou- bzw. Rummelsdorfer-Universum vertraut. So weiß Neidhardt im ausführlichen Dokumentationsteil mit diversen Interviews, Kurzartikeln, Illustrationen und Original-Cover-Abbildungen allerlei Interessantes zu berichten, unter anderem, dass die Rubrik Leserbriefe im Spirou-Magazin der Kriegsjahre zum Austausch geheimer Nachrichten der Resistance diente. Und dass die beiden Künstler für ihre Arbeiten am vorliegenden Album einen 5-Jahresplan aufstellten. Interessant auch zu wissen, dass Professor Lyssenko einer realen Figur nachempfunden wurde. Künstlerisch lehnt sich Tarrin erfolgreich an die klassische Ära der Serie an, die graphische Umsetzung gelingt ihm absolut überzeugend, das Album könnte jederzeit für jedes Zeitalter gezeichnet sein – ein zeitloses Kunstwerk! Neidhardt bereichert das spritzig-witzige Szenario durch allerlei Anspielungen und Verweise, unter anderem auf das belgische Atomium, Tim (bei den Sowjets), Gaston, James Bond, aber auch auf Mascha (und der Bär), eine bekannte russische Zeichentrickserie. Bezüglich der russischen Genossen allerdings bedient sich das Künstlerduo stellenweise fast schon klischeehafter Klischees, was dem Spaß manchmal direkt doch ein bisschen abträglich ist. Beispielsweise überreicht man Spiro und Fantasio vor ihrer Abreise nach Moskau ein „Super-Aspirin für mögliche Wodka-Hinterhalte“. Auch eine Putin-Karikatur ist zu entdecken - mal sehen, ob dieses Album etwas zur Lösung der derzeitigen Probleme zwischen Russland und Europa beitragen kann. Fazit Einfach ein vergnüglicher, ausgelassener und dennoch intelligenter, anspruchsvoller Spaß für Alt und Jung – wenngleich stellenweise auch etwas unterkühlt und düster! Das Gespenst des Kommunismus wird ordentlich durch den Kakao gezogen, allerdings scheint auch purer Kapitalismus seine Schattenseiten zu haben, denn was letztlich zählt ist – Menschlichkeit! Tanya alias Mascha hat das klar erkannt! Und tatsächlich waren Spirou und Fantasio 1990 schon mal in Moskau … oder werden 1990 dort sein? Auch dieses Album wird sicher seinen Beitrag zur Beliebtheit und Langlebigkeit der Serie leisten: Die beiden lustigen Gesellen sind tatsächlich seit 1943 bis heute „aktiv“ und haben damit mehr als 75 Jahre überdauert!
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