Filme - Drama

Stella. Ein Leben

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Stella. Ein Leben
Stella. Ein LebenFilme - Drama | mit: Beer, Paula (Darsteller), Niewöhner, Jannis (Darsteller), Riedhof, Kilian (Regisseur) Bewertung:★★★★★ Wir gehen zurück zu den Nazis. Obwohl wir in unserer jetzigen Welt genügend Hass auf den Straßen erleben. Es ist fast schon unscheinbar und erinnert immer mehr an vergangene Tage. Antisemitismus, Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, Anschläge auf Politiker, Krieg vor der Haustür oder irgendwo auf der Welt. Aktuell kann man sich auf jeden Fall gut in eine Stimmung versetzen, wie es vielleicht früher war - im Alltagsleben vor dem großen Knall.

Was wir nicht können, ist in eine Figur zu schlüpfen, die Täter und Opfer zugleich ist. Immer wieder begegnen wir Menschen in den Geschichtsbüchern, die vor der Wahl standen. Die Wahl ihr Schicksal zu akzeptieren oder andere zu denunzieren. Und immer schwebt die Frage mit: Was hätte ich getan?! Nun ist die Geschichte von Stella Goldschlag, die im späteren Leben selbst zur Antisemitin wurde, nicht neu. Sie wurde bereits in „Die Unsichtbaren – Wir wollen Leben“ (TV-Doku), „Stella“ (Roman) oder „The Good German“ von Cate Blanchett gespielt.

Wie mir der Streifen gefallen hat und wie gut die Ambivalenz zwischen Täter und Opfer ausgearbeitet wurde, erfahrt ihr ein Stück weiter unten.

Die Veröffentlichung von "STELLA. EIN LEBEN" ist digital ab 27. Mai 2024, als Video on Demand ab 13. Juni 2024 und auf DVD ab 20. Juni 2024 geplant. Handlung
Berlin, August 1940. Die 18-jährige Stella Goldschlag und ihre Freunde leben für den Jazz. Ihr größter Wunsch: ein Engagement in New York, der Stadt, in der die Musik von Cole Porter und Louis Prima zu Hause ist. Stella träumt von schönen Kleidern und einer Karriere als Jazzsängerin. Sie sehnt sich danach, dem Krieg und den Gefahren in Deutschland zu entkommen. Als Tochter jüdischer Eltern ein Traum, der wenig Chancen hat, wahr zu werden.

Drei Jahre später sind alle Hoffnungen, alle Bemühungen der Eltern um eine gemeinsame Auswanderung in die USA dem verzweifelten Kampf ums Überleben gewichen. Stella und ihre Mutter entgehen nur knapp der Deportation, als sie als Zwangsarbeiterinnen für die Rüstungsindustrie nicht mehr gebraucht werden. Die Familie taucht unter. Bei dem Versuch an gefälschte Lebensmittelkarten zu kommen, lernt Stella Rolf Isaaksohn kennen und verliebt sich in den draufgängerischen Passfälscher. Die beiden werden zu einem skrupellosen Duo auf dem Berliner Schwarzmarkt, bis sie von der Gestapo geschnappt werden.

Um sich und ihre Eltern zu retten, fängt Stella an, für die Gestapo zu arbeiten. Sie soll untergetauchte jüdische Mitbürger aufspüren und denunzieren...
Bewertung
Das Thema ist interessant. Eine Frau die sich entscheiden muss, zwischen eigenem Leben und Verrat. Oder opfert sie doch alles? Rückblickend mag die Antwort einfach sein, wir sind schnell im Verurteilen. Kilian Friedhof (Fernsehfilme „Gladbeck“ und „Der Fall Barschel“) erzählt seine Geschichte sehr genau. Er reiht seine Szenen fast schon chronologisch ab. Das liegt daran, dass er sehr aufs Detail schaut und versucht die reale Story wieder zu geben. Der Zuschauer merkt den Umstand im Film.

Dennoch ist es die bereits oben aufgeführte Situation, ausgelöst durch ein menschenverachtendes System. Da ist es auch kein Wunder, dass es auch mal skurril wird. Draußen tobt der Krieg und die Menschen feiern locker flockig weiter. Und sie feiern so, dass jede Party die letzte sein kann. Doch gerade in diesen Abschnitten wird mir die Täterin zu wenig in den Vordergrund gestellt. Es ist vielleicht auch ein Stück weit die Angst, sich bestimmte Freiheiten rauszunehmen und die Titelfigur zu sehr in Watte packt. Hier hätte mehr Mut gutgetan. Dadurch scheitert "Stella. Ein Leben" auch daran, ein komplexer und tiefsinniger Film zu sein. Die Aufarbeitung mit einer solch interessanten Figur hat zumindest viel Potential gehabt, was nicht genutzt wurde.

Star ist hingegen Paula Beer, die Stelle Goldschlag verkörpert. Gerade als sie auf einen jüdischen Freund trifft, der sie mit ihren Taten konfrontiert, kam dann doch gewünschtes Flair auf. Auch, weil ich an dieser Stelle keine Empathie aufbauen konnte und gerade ihr Verhalten abstoßend wirkt. Aber von diesen Momenten hätte es ruhig ein paar mehr geben können. Fazit "Stella. Ein Leben" ist ein gradliniger Film, der die Titelheldin leider zu wenig in die Zange nimmt. Dennoch kann man sich dem Thema damit annähern und wird unterhalten.
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