Rezension

The Irishman

Veröffentlicht am 30.11.-0001
The Irishman
The IrishmanFilm - Thriller | mit: Martin Scorsese, Robert DeNiro, Joe Pesci, Al PacinoBewertung:★★★★★ The Irishman ist ein Mafiaepos von Drehbuchautor Steven Zailian und Regielegende Martin Scorsese und ist seit dem 27.11.2019 auf Netflix verfügbar (kurzer Kinorelease am 14.11.2019, um für die Oscars relevant zusein). Als Vorlage für das Drehbuch diente der 2003 veröffentlichte True-Crime Report „I Heard You Paint Houses“ von Charles Brandt. Der Film hat 159-160 Mio. US Dollar gekostet und ist schon seit 2008 in Planung. Handlung Der irischstämmige Kriegsveteran Frank Sheeran (Robert DeNiro) arbeitet während der 1950er Jahre als Lastwagenfahrer und bessert sich sein Gehalt auf, indem er illegal ein Teil seiner Ware an die Mafia verkauft. Eines Tages wird er wegen Diebstahl angeklagt und durch den Anwalt William „Bill“ Bufalino vertreten und freigesprochen. Bill stellt Frank seinem Cousin Rosario „Russel“ Bufalino (Joe Pesci) vor, dem Oberhaupt einer Mafiafamilie im Osten von Pennsylvania. Russel heuert Frank an, um für ihn Aufträge durchzuführen, bei denen Frank nicht vor Gewalt und Mord zurückschreckt. Durch einen dieser Aufträge lernt er den Gewerkschaftsführer James Riddel „Jimmy“ Hoffa (Al Pacino) kennen, der sich in Schwierigkeiten mit dem aufstrebenden Teamster-Mitglied Anthony „Tony Pro“ Provenzano (Stephen Graham) befindet. So zieht es Frank immer weiter in die Tiefen der Mafia und weiter weg von seiner Familie Trailer BewertungDer Film beginnt mit einer Kamerafahrt durch ein Altersheim auf Frank Sheeran zu, der im Jahre 2003, sofort damit anfängt uns über sein Leben in der Mafia zu erzählen. Aus dem Off heraus klärt er uns über Personen, Orte und Probleme auf. Der Film wird aus seiner Sicht erzählt und wir Zuschauer nehmen die Rolle des Charles Brandt ein, nur ob alle Angaben die Frank macht der Wahrheit entsprechen, steht auf einem anderen Blatt.
Scorsese nutzt neben dieser Erzählklammer des Jahres 2003, eine zweite Rahmenhandlung, die im Jahr 1975 spielt. Frank und Russel sind mit ihren Ehefrauen, im Auto, auf dem Weg von New York nach Detroit, zu einer Hochzeitsfeier. Durch Raucherpausen, die die Frauen des öfteren brauchen, ist genug Zeit für Rückblenden auf bestimmte Zeitpunkte in Frank’s Leben, wie z.B. das erste Aufeinandertreffen von Frank und Russel nach dem Krieg an einer Texaco-Tankstelle.
DeNiro spielt Frank äußerst verhalten und stoisch ruhig. Auch Joe Pesci verkörpert Bufalino, im Gegensatz zu seinen Rollen in „Good Fellas“ und „Casino“ sehr ruhig und zurückhaltend, wie ein Pate der in die Jahre gekommen ist und schon zu viel gesehen hat. Al Pacino (in seiner ersten Rolle für Scorsese) spielt Hoffa virtuos und aufbrausend, eher die Rolle die wir sonst von Pesci kennen und lieben. „Ich habe gehört, dass Sie Häuser streichen“, sagt Hoffa zu Frank am Telefon, ein versteckter Hinweis, das Frank Leute erschießt (deren Blut dann an Häuserwände spritzt). Nicht offen zu sagen, was man meint, zieht sich wie ein roter Faden durch den Film.
Das Herzstück dieses Films sind die Dialoge zwischen den drei Hauptfiguren, da hat Steven Zailian Taratino ähnliche Arbeit geleistet. Martin Scorsese leitet den Zuschauer, mit einer Klasse Kameraarbeit von Rodrigo Pietro (The Wolf of Wall Street und Silence) durch sein Meisterwerk. Auch Thelma Schoonmaker, die für den Schnitt verantwortlich ist leistet großartige Arbeit. Begleitet wird der Film, von dem eher zurückhaltenden Score, von Robbie Robertson, der auf zeitgenössische Pop-Songs setzt. Mit Kinoreklamen von u.a. „Party Girl“ (1958) von Nicolas Ray oder „The Shootist“ (1976) von Don Siegel verweist Scorsese zudem auf seine eigene Cinephilie.
Fazit Der Film ist ein Meisterwerk und beeindruckt mit seiner atmosphärischen Geschichte und mit seiner atemberaubenden Bildsprache, die auf einer Kinoleinwand für ein Gefühl sorgt, als ob man das erste Mal „Good Fellas“ oder „Es war einmal in Amerika“ schauen würde. Zwar hätten dem Film 20 min weniger gut getan, da er sich schwer tut zu einem Ende zukommen, aber das ist Meckern auf allerhöchstem Niveau. The Irishman ist „Der Film des Jahres 2019“ für mich und ich hätte gerne gesehen was er an den Kinokassen bei einem richtigen Kinorelease eingenommen hätte. So beweist Scorsese nur noch einmal das er der Altmeister in Genre Mafia/Thriller ist und nichts von seinem Talent oder Gespür verloren hat.
Wenn ihr einen Netflix-Account besitzt und 3 ½ Stunden eurer Zeit gut investieren wollt, gönnt euch dieses Meisterwerk.
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