Comic - Fantasy
The Magic Order 1
The Magic Order 1Comic - Fantasy | mit: Autor: Mark Millar; Zeichner: Olivier CoipelBewertung:★★★★★ Kick-Ass, Kingsmen oder der Marvel-Film Civil War basieren allesamt auf Comics von Mark Millar. Der schottische Autor hat eine Partnerschaft mit Netflix gestartet, zusammen wollen sie viele Projekte gemeinsam umsetzen. Der Anfang bildet The Magic Order, eine Mischung von Harry Potter und Sopranos, ein Magie-Fantasy-Krimi-Ding, wie Millar selbst den Comic beschreibt. Ob das funktionieren kann? Handlung Der Magic Order ist eine Gruppe bestehend aus fünf Zauberfamilien, die seit tausenden von Jahren die nichtsahnenden Menschen vor unbeschreiblichen Gefahren beschützen. Die mächtigste unter ihnen ist die Familie Moonstone: der Patriarch Leonard und seine Kinder Cordelia, Regan und Gabriel. Cordelia ist alkoholsüchtig und gegen Vorschriften allergisch, Regan ist gelinde gesagt temperamentvoll und Gabriel, das Zauber-Wunderkind, hat sich nach dem Tod seiner Tochter aus der Magiewelt zurückgezogen. Doch sie müssen als Familie wieder zusammenfinden, denn die rücksichtslose Madame Albany erklärt dem Orden den Krieg. Etliche hochrangige Zauberer hat sie schon getötet, jetzt hat sie ihren unaufhaltsamen Auftragskiller auf die Moonstones gehetzt. Trailer BewertungPuh, was ein Hochgeschwindigkeits-Comic… Innerhalb von 176 Seiten wird eine ganze Welt eingeführt, ein Konflikt etabliert und abgeschlossen und dann machen die Figuren auch noch eine komplette Heldenreise durch. Der Leser bekommt kaum Zeit, sich in dieser Welt umzuschauen, schon kommt der nächste Twist, die nächste Actionszene, der nächste Schocker. Was ich etwas schade finde, denn dadurch ist diese sehr interessante Welt für mich ein bisschen abstrakt geblieben. Und die Welt ist WIRKLICH interessant! Es gibt ein Hotel, das außerhalb von Zeit und Raum existiert, wo die Zauberer sich aber nur mit anderen Zauberer ihrer eigenen Zeit unterhalten dürfen. Außerdem sind dort Kämpfe verboten, sogar zu lautes Sprechen wird mit Hausverbot bestraft. So ein bisschen wie das Continental-Hotel im Film John Wick, nur interdimensional und mit Magie anstatt Profi-Killern.
Nicht nur das World Building leidet etwas unter der Schnelligkeit, auch der Aufbau der meisten Figuren passiert zu plötzlich. Denn viele der Figuren kommen nur vor, damit sie im nächsten Panel möglichst brutal getötet werden. Die einzige, die eine richtige Geschichte bekommt und deren Charakter und Gefühle der Leser richtig kennenlernen kann, ist Cordelia. Die einzige Tochter des Patriarchen Leonard Moonstone ist eine begnadete Entfesselungskünstlerin, die am liebsten auf Kindergeburtstagen auftritt. Diese Auftritte enden für sie aber meistens mit einer Fahrt im Polizeiauto, die oft von den Eltern der traumatisierten Kinder angerufen werden. Sie erzählt nämlich gerne ihre Lebensgeschichte auf der Bühne, z.B. wie sie ihrer eigenen Abtreibung entkommen ist.
Mit Cordelia zeigt Millar, dass er einfach ein begnadetes Händchen für abgefahrene Figuren hat, die in noch abgefahrene Welten leben. Und obwohl mir in The Magic Order vieles zu schnell passiert ist, hatte ich sehr viel Spaß damit. Denn einerseits hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, andererseits hält sich der Comic nicht mit allzu vielen Details und Erklärungen auf. Dem Leser wird sehr viel zugetraut, was ich persönlich immer sehr schön finde. Zaubersprüche oder neue Orte werden eingeführt, indem sie unmittelbar mit der Handlung zusammenhängen. Man kann Leute in Bücher einsperren, aha. Es gibt ein Archiv für gefährliche magische Artefakte, okay.
Aber, wie gesagt, dem Comic hätte ein paar mehr Seiten bestimmt gutgetan. Vor allem im Hinblick auf die großen Plottwists am Ende. Sie kommen sehr plötzlich um die Ecke und wirken etwas zu gewollt, was meiner Meinung nach daran liegt, dass viele Figuren zu wenig Zeit bekommen, sich zu entwickeln und dem Leser deshalb sehr abstrakt bleiben.
Wo ich aber nichts zu meckern habe, ist der Zeichenstil von Olivier Coipel. Der hat mich ein bisschen an die Comics von „Der dunkle Turm“ erinnert, vor allem was die Gestik, Körperhaltung und Gesichtszüge der Figuren angeht. Die Linien sind sehr definiert, geradlinig und markant gezeichnet, was den Figuren viel Härte gibt.
Neben den Figuren sind die sehr brutalen, aber faszinierenden Magie-Action-Sequenzen hervorzuheben. Mark Millar lässt seine Figuren auf schrecklichster Art und Weise sterben – eine wird in einem Taxi ertränkt, die andere von seinem eigenen Kind ermordet, die nächste wird mithilfe einer seelenraubenden Kamera getötet. Diese Tode wären aber nicht halb so erstaunlich, wenn Coipel sie nicht so eindrucksvoll zu Papier gebracht hätte. Vor allem wie das Kind den Vater umbringt, erinnert an einen Horrorfilm. Als Einstieg in den Comic hat diese Szene unglaublich gut funktioniert.
Fazit Tolle Welt, interessante Figuren und ein hervorragender Zeichenstil. Trotzdem nur drei von fünf Sternen, weil ich von der sehr schnellen Erzählweise sehr irritiert war und die zwei großen Plottwists am Ende etwas unverdient fand. Trotzdem würde ich jedem Millar-Fan raten, diesen Comic zu lesen (es sind auch der eine oder andere Easter Egg zum Millarverse versteckt). Aber ich hoffe, dass die Netflix-Serie sich etwas mehr Zeit nimmt für diese tolle Geschichte.
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Nicht nur das World Building leidet etwas unter der Schnelligkeit, auch der Aufbau der meisten Figuren passiert zu plötzlich. Denn viele der Figuren kommen nur vor, damit sie im nächsten Panel möglichst brutal getötet werden. Die einzige, die eine richtige Geschichte bekommt und deren Charakter und Gefühle der Leser richtig kennenlernen kann, ist Cordelia. Die einzige Tochter des Patriarchen Leonard Moonstone ist eine begnadete Entfesselungskünstlerin, die am liebsten auf Kindergeburtstagen auftritt. Diese Auftritte enden für sie aber meistens mit einer Fahrt im Polizeiauto, die oft von den Eltern der traumatisierten Kinder angerufen werden. Sie erzählt nämlich gerne ihre Lebensgeschichte auf der Bühne, z.B. wie sie ihrer eigenen Abtreibung entkommen ist.
Mit Cordelia zeigt Millar, dass er einfach ein begnadetes Händchen für abgefahrene Figuren hat, die in noch abgefahrene Welten leben. Und obwohl mir in The Magic Order vieles zu schnell passiert ist, hatte ich sehr viel Spaß damit. Denn einerseits hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht, andererseits hält sich der Comic nicht mit allzu vielen Details und Erklärungen auf. Dem Leser wird sehr viel zugetraut, was ich persönlich immer sehr schön finde. Zaubersprüche oder neue Orte werden eingeführt, indem sie unmittelbar mit der Handlung zusammenhängen. Man kann Leute in Bücher einsperren, aha. Es gibt ein Archiv für gefährliche magische Artefakte, okay.
Aber, wie gesagt, dem Comic hätte ein paar mehr Seiten bestimmt gutgetan. Vor allem im Hinblick auf die großen Plottwists am Ende. Sie kommen sehr plötzlich um die Ecke und wirken etwas zu gewollt, was meiner Meinung nach daran liegt, dass viele Figuren zu wenig Zeit bekommen, sich zu entwickeln und dem Leser deshalb sehr abstrakt bleiben.
Wo ich aber nichts zu meckern habe, ist der Zeichenstil von Olivier Coipel. Der hat mich ein bisschen an die Comics von „Der dunkle Turm“ erinnert, vor allem was die Gestik, Körperhaltung und Gesichtszüge der Figuren angeht. Die Linien sind sehr definiert, geradlinig und markant gezeichnet, was den Figuren viel Härte gibt.
Neben den Figuren sind die sehr brutalen, aber faszinierenden Magie-Action-Sequenzen hervorzuheben. Mark Millar lässt seine Figuren auf schrecklichster Art und Weise sterben – eine wird in einem Taxi ertränkt, die andere von seinem eigenen Kind ermordet, die nächste wird mithilfe einer seelenraubenden Kamera getötet. Diese Tode wären aber nicht halb so erstaunlich, wenn Coipel sie nicht so eindrucksvoll zu Papier gebracht hätte. Vor allem wie das Kind den Vater umbringt, erinnert an einen Horrorfilm. Als Einstieg in den Comic hat diese Szene unglaublich gut funktioniert.
Fazit Tolle Welt, interessante Figuren und ein hervorragender Zeichenstil. Trotzdem nur drei von fünf Sternen, weil ich von der sehr schnellen Erzählweise sehr irritiert war und die zwei großen Plottwists am Ende etwas unverdient fand. Trotzdem würde ich jedem Millar-Fan raten, diesen Comic zu lesen (es sind auch der eine oder andere Easter Egg zum Millarverse versteckt). Aber ich hoffe, dass die Netflix-Serie sich etwas mehr Zeit nimmt für diese tolle Geschichte.