Game - Simulation

This War of Mine – Complete Edition

Veröffentlicht am 30.11.-0001
This War of Mine – Complete Edition
This War of Mine – Complete EditionGame - Simulation | mit: Publisher: Deep Silver; Studio: 11 Bit Studios; Nintendo SwitchBewertung:★★★★★ Im Krieg ist nicht jeder Soldat. Unter diesem Motto spielen wir in „This War of Mine“ keine schwerbewaffneten Elite-Kämpfer oder gut ausgestattete Überlebenskünstler. Das Spiel ist nämlich ein Anti-Kriegsspiel, das die Auswirkungen von Krieg und Belagerung auf die zivile Bevölkerung zum Thema macht. Handlung Eine kleine Gruppe von Menschen versucht, in einer vom Krieg zerstörten Stadt zu überleben. Was nicht so einfach ist, denn Lebensmittel, Baumaterialien und Medikamente sind rar gesät. Aber da die Stadt tagsüber wegen der Soldaten zu gefährlich ist, muss die Suche nach überlebenswichtigen Dingen in den nächtlichen Stunden passieren. Doch die Soldaten sind nicht die einzige Gefahr. Der eigene Unterschlupf kann zum Ziel umher wandernder Plünderer werden. Trailer BewertungIst es gerechtfertigt, einem alten Ehepaar die Lebensmittel zu stehlen, damit man selber nicht verhungert? Darf man Menschen aus Notwehr töten? Ist das eigene Überleben wichtiger als das Überleben anderer? Mit solchen Fragen wird man in „This War of Mine“ ständig konfrontiert. Denn beim Simulationsspiel geht es darum, so lange wie möglich in einem Kriegsgebiet zu überleben. Das heißt nicht nur, den eigenen Unterschlupf vor Eindringlingen zu schützen, sondern sich aktiv auf die Suche nach brauchbarem Zeug zu machen. Dadurch wird man oft selbst zum Plünderer, was nicht nur Auswirkungen auf die Umgebung hat. Wird man beim Stehlen erwischt wird, kann es im Überlebenssimulationsspiel heikel werden. Denn wenn die Leute um dich herum sehen, dass du ihre Sachen klaust, greifen sie dich an. Aber das Stehlen hat auch psychologische Auswirkungen auf deine eigene Figur bzw. auf deine Gruppe. Sie müssen damit umgehen und können deprimiert oder traurig werden. Das gleiche gilt für den Fall, wenn du bei einer Auseinandersetzung eine andere Person umbringst. Das führt dazu, dass die Figur in eine bodenlose Depression stürzt. Diese Komplexität ist bei einem Simulationsspiel, das den Überlebenskampf von Zivilisten in einem Kriegsgebiet darstellt, zu erwarten. Wenn man nicht vor moralischen Zwickmühlen steht und sich ernsthaft Gedanken über seine Entscheidungen machen muss, dann hätte das Spiel sein Sinn verfehlt.
Neben dem Hauptspiel, wo man das Spiel unendlich (falls man überlebt) spielen kann, gibt es auch das Storymode. Die Version für die Nintendo Switch ist eine “Complete Edition”. Diese enthält die DLCs „The Little Ones“, „Father's Promise“ sowie alle Erweiterungen, die seit dem ursprünglichen Verkaufsstart erschienen sind und noch erscheinen werden. Vor allem beim DLC „The Little Ones“ entfaltet „This War of Mine“ sein ganzes Anti-Kriegs-Potential. Denn schon die erwachsenen Figuren zu spielen ist eine echt nervenaufreibende Angelegenheit. Krieg und seine Auswirkungen aus der Sicht eines Kindes zu spielen, macht das Ganze um Längen schlimmer.
Die schwierigen moralischen Fragen, mit denen man konfrontiert wird, sind nur ein Element, das zur dichten Atmosphäre des Spiels beiträgt. Auch wenn die Grafik auf den ersten Blick etwas einfach erscheint, finde ich die gezeichneten, überwiegend schwarz-weißen Kulissen sehr passend. Dazu kommt die Musik, die gleichzeitig sehr dezent und trotzdem präsent ist.
Den einen Stern bekommt „This War of Mine“ aber durch die mittelmäßige Steuerung abgezogen. Sie ist gleichzeitig sehr anspruchsvoll – manche Knöpfe haben mehrere Funktionen – und „tollpatschig“. Das fällt vor allem dann auf, wenn man am Plündern ist und sich an eine Tür schleichen will, um zu gucken, ob im nächsten Raum Leute sind. Zwar kann man mit dem Controllstick ganz gut die eigene Geschwindigkeit kontrollieren (entweder rennen oder schleichen, dazwischen gibt es keine Abstufungen). Aber wenn man auf eine Tür zugeht und ein bisschen zu lange den Joystick in diese Richtung drückt, platzt man sofort durch die Tür. Man muss sehr stark auf das eigene Timing achten, dass man direkt vor der Tür stehen bleibt und dann die richtige Handlung ausführt. Was sich auch als sehr schwierig erwiesen hat ist es, am Ende des Tages Aktionen durchzuführen. Diese sind aufgeteilt in eine steckbriefartige Aufzählung der Figuren und ihren Aktionsmöglichkeiten (sollen die schlafen (auf dem Boden oder im Bett), Wache halten oder plündern?) und einer Karte. Hier sieht man die verschiedenen Ziele, zu denen man gehen kann, welche Ressourcen man jeweils findet und ob es dort gefährlich ist. Aber die Navigation ist in diesem Bereich sehr schwierig und ich weiß immer noch nicht so wirklich, welche Knöpfe ich gedrückt habe, um die Sachen auszuwählen. Fazit Auch wenn die Steuerung mir den Spielspaß manchmal genommen hat – vor allem am Anfang musste ich mich sehr lange eingewöhnen – kann ich das Spiel sehr empfehlen. Denn durch die dichte Atmosphäre, die das Spiel erzeugt, hat „This War of Mine“ mich emotional sehr mitgenommen. Für mich eine tolle Abwechslung im Meer von Kriegsspielen, die – gewollt oder nicht – kriegsverherrlichend daherkommen.
ZURÜCK INS ARCHIV