Buch - Thriller
Thornbird
E. Kennedys „Thornbird“ ist eine echte Überraschung. Die Autorin, die viele vor allem durch ihre New-Adult-Romane kennen, wagt sich hier erstmals an einen Young-Adult-Thriller – und dieser Schritt gelingt ihr erstaunlich gut. Statt romantischer Geschichten stehen diesmal dunkle Geheimnisse, ein ungelöstes Verbrechen und die Frage im Mittelpunkt, ob man seiner Vergangenheit jemals entkommen kann.
HANDLUNG
Nach dem Tod ihrer Großmutter zieht die 17-jährige Ryan Shipley zu ihrer Tante in das kleine Städtchen Starling in Tennessee. Dort soll sie die Highschool abschließen und ein neues Leben beginnen. Doch Ryan trägt ein Geheimnis mit sich herum: Ihr richtiger Name ist Gabrielle Thorn und sie ist die Tochter des berüchtigten „Starling Slayer“, eines Serienmörders, der vor zehn Jahren sieben Frauen ermordete – darunter auch Ryans Mutter. Die Leichen wurden nie gefunden.
Zurück an dem Ort, an dem alles begann, holen Ryan ihre Erinnerungen schneller ein, als ihr lieb ist. Gleichzeitig entwickelt sie Gefühle für den beliebten Quarterback Everett. Doch je näher sie der Wahrheit über die Verbrechen ihres Vaters kommt, desto vorsichtiger muss sie werden. Denn in Starling scheint jeder etwas zu verbergen.
KRITIK
Schon die Ausgangssituation sorgt für Spannung. Geschichten über Serienmörder gibt es viele, doch die Perspektive der Tochter eines Täters erlebt man deutlich seltener. Genau das macht „Thornbird“ so interessant. Ryan kämpft nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit, sondern auch mit der Angst, dass ihre wahre Identität ans Licht kommen könnte. Dieser innere Konflikt zieht sich durch den gesamten Roman und sorgt dafür, dass man ihre Entscheidungen jederzeit nachvollziehen kann.
Besonders gelungen ist die Atmosphäre. Starling wirkt wie ein Ort, der seit zehn Jahren in der Vergangenheit feststeckt. Über allem schwebt dieselbe Frage: Wo sind die Leichen? Diese offene Wunde prägt das gesamte Dorf. Jeder scheint eine eigene Theorie zu haben, jeder beobachtet jeden und selbst kleinste Hinweise lösen neue Spekulationen aus. Dadurch entsteht eine permanente Spannung, obwohl der Roman nicht ständig von Action lebt.
E. Kennedy versteht es außerdem, ihre Figuren glaubwürdig zu zeichnen. Ryan ist keine klassische Heldin, sondern eine junge Frau, die mit Schuldgefühlen lebt, obwohl sie selbst keinerlei Verantwortung für die Taten ihres Vaters trägt. Gerade dieser Zwiespalt macht sie sympathisch. Man leidet mit ihr, wenn sie versucht, sich ein normales Leben aufzubauen und gleichzeitig ständig befürchten muss, entlarvt zu werden.
Auch Everett erfüllt nicht einfach die Rolle des typischen Love Interests. Die Liebesgeschichte nimmt erfreulicherweise nie zu viel Raum ein und drängt den Thriller nicht in den Hintergrund. Stattdessen lockert sie die düstere Handlung immer wieder auf und gibt Ryan Momente, in denen sie ihre Vergangenheit für kurze Zeit vergessen kann.
Sehr gut gefallen hat mir außerdem, wie Kennedy zeigt, welche Auswirkungen ein Verbrechen auf eine ganze Gemeinschaft haben kann. Nicht nur die Angehörigen der Opfer leiden bis heute unter den Geschehnissen. Auch Gerüchte, Vorurteile und selbst ernannte Hobbyermittler prägen den Alltag in Starling. Dieser Aspekt wirkt erstaunlich authentisch und erinnert stellenweise an reale True-Crime-Fälle, in denen ungeklärte Fragen Menschen über Jahre beschäftigen.
Der Spannungsbogen funktioniert über weite Strecken hervorragend. Immer wieder streut die Autorin neue Hinweise ein, die bestehende Vermutungen infrage stellen oder den Blick in eine andere Richtung lenken. Dadurch bleibt die Geschichte jederzeit spannend, ohne sich künstlich in die Länge zu ziehen. Besonders im letzten Drittel entwickelt „Thornbird“ einen starken Sog, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte.
Ein weiterer Pluspunkt ist das Setting. Die dichten Wälder Tennessees und das kleine, abgeschiedene Starling verleihen der Geschichte eine angenehm düstere Stimmung. Man hat ständig das Gefühl, dass hinter jeder Ecke ein weiteres Geheimnis lauert. Diese Atmosphäre trägt entscheidend dazu bei, dass der Thriller von der ersten bis zur letzten Seite funktioniert.
Auch optisch macht „Thornbird“ einiges her. Das stimmungsvolle Cover passt hervorragend zur düsteren Geschichte und der wunderschöne Farbschnitt macht das Buch zusätzlich zu einem echten Hingucker im Bücherregal. Gerade Sammler hochwertiger Ausgaben werden daran ihre Freude haben.
FAZIT
Mit „Thornbird“ beweist E. Kennedy eindrucksvoll, dass sie weit mehr beherrscht als romantische New-Adult-Geschichten. Ihr erster Young-Adult-Thriller überzeugt mit einer originellen Ausgangsidee, glaubwürdigen Figuren und einer konstant hohen Spannung. Besonders die Perspektive der Tochter eines Serienmörders hebt den Roman angenehm von vielen Genrevertretern ab. Die Liebesgeschichte bleibt angenehm im Hintergrund und unterstützt die Charakterentwicklung, ohne den Thriller auszubremsen. Wer atmosphärische Jugendthriller mit psychologischer Tiefe, spannenden Wendungen und einer fesselnden Mystery-Komponente mag, sollte sich „Thornbird“ unbedingt ansehen.
Copyright: Goldmann Verlag
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HANDLUNG
Nach dem Tod ihrer Großmutter zieht die 17-jährige Ryan Shipley zu ihrer Tante in das kleine Städtchen Starling in Tennessee. Dort soll sie die Highschool abschließen und ein neues Leben beginnen. Doch Ryan trägt ein Geheimnis mit sich herum: Ihr richtiger Name ist Gabrielle Thorn und sie ist die Tochter des berüchtigten „Starling Slayer“, eines Serienmörders, der vor zehn Jahren sieben Frauen ermordete – darunter auch Ryans Mutter. Die Leichen wurden nie gefunden.
Zurück an dem Ort, an dem alles begann, holen Ryan ihre Erinnerungen schneller ein, als ihr lieb ist. Gleichzeitig entwickelt sie Gefühle für den beliebten Quarterback Everett. Doch je näher sie der Wahrheit über die Verbrechen ihres Vaters kommt, desto vorsichtiger muss sie werden. Denn in Starling scheint jeder etwas zu verbergen.
KRITIK
Schon die Ausgangssituation sorgt für Spannung. Geschichten über Serienmörder gibt es viele, doch die Perspektive der Tochter eines Täters erlebt man deutlich seltener. Genau das macht „Thornbird“ so interessant. Ryan kämpft nicht nur mit ihrer eigenen Vergangenheit, sondern auch mit der Angst, dass ihre wahre Identität ans Licht kommen könnte. Dieser innere Konflikt zieht sich durch den gesamten Roman und sorgt dafür, dass man ihre Entscheidungen jederzeit nachvollziehen kann.
Besonders gelungen ist die Atmosphäre. Starling wirkt wie ein Ort, der seit zehn Jahren in der Vergangenheit feststeckt. Über allem schwebt dieselbe Frage: Wo sind die Leichen? Diese offene Wunde prägt das gesamte Dorf. Jeder scheint eine eigene Theorie zu haben, jeder beobachtet jeden und selbst kleinste Hinweise lösen neue Spekulationen aus. Dadurch entsteht eine permanente Spannung, obwohl der Roman nicht ständig von Action lebt.
E. Kennedy versteht es außerdem, ihre Figuren glaubwürdig zu zeichnen. Ryan ist keine klassische Heldin, sondern eine junge Frau, die mit Schuldgefühlen lebt, obwohl sie selbst keinerlei Verantwortung für die Taten ihres Vaters trägt. Gerade dieser Zwiespalt macht sie sympathisch. Man leidet mit ihr, wenn sie versucht, sich ein normales Leben aufzubauen und gleichzeitig ständig befürchten muss, entlarvt zu werden.
Auch Everett erfüllt nicht einfach die Rolle des typischen Love Interests. Die Liebesgeschichte nimmt erfreulicherweise nie zu viel Raum ein und drängt den Thriller nicht in den Hintergrund. Stattdessen lockert sie die düstere Handlung immer wieder auf und gibt Ryan Momente, in denen sie ihre Vergangenheit für kurze Zeit vergessen kann.
Sehr gut gefallen hat mir außerdem, wie Kennedy zeigt, welche Auswirkungen ein Verbrechen auf eine ganze Gemeinschaft haben kann. Nicht nur die Angehörigen der Opfer leiden bis heute unter den Geschehnissen. Auch Gerüchte, Vorurteile und selbst ernannte Hobbyermittler prägen den Alltag in Starling. Dieser Aspekt wirkt erstaunlich authentisch und erinnert stellenweise an reale True-Crime-Fälle, in denen ungeklärte Fragen Menschen über Jahre beschäftigen.
Der Spannungsbogen funktioniert über weite Strecken hervorragend. Immer wieder streut die Autorin neue Hinweise ein, die bestehende Vermutungen infrage stellen oder den Blick in eine andere Richtung lenken. Dadurch bleibt die Geschichte jederzeit spannend, ohne sich künstlich in die Länge zu ziehen. Besonders im letzten Drittel entwickelt „Thornbird“ einen starken Sog, sodass man das Buch kaum noch aus der Hand legen möchte.
Ein weiterer Pluspunkt ist das Setting. Die dichten Wälder Tennessees und das kleine, abgeschiedene Starling verleihen der Geschichte eine angenehm düstere Stimmung. Man hat ständig das Gefühl, dass hinter jeder Ecke ein weiteres Geheimnis lauert. Diese Atmosphäre trägt entscheidend dazu bei, dass der Thriller von der ersten bis zur letzten Seite funktioniert.
Auch optisch macht „Thornbird“ einiges her. Das stimmungsvolle Cover passt hervorragend zur düsteren Geschichte und der wunderschöne Farbschnitt macht das Buch zusätzlich zu einem echten Hingucker im Bücherregal. Gerade Sammler hochwertiger Ausgaben werden daran ihre Freude haben.
FAZIT
Mit „Thornbird“ beweist E. Kennedy eindrucksvoll, dass sie weit mehr beherrscht als romantische New-Adult-Geschichten. Ihr erster Young-Adult-Thriller überzeugt mit einer originellen Ausgangsidee, glaubwürdigen Figuren und einer konstant hohen Spannung. Besonders die Perspektive der Tochter eines Serienmörders hebt den Roman angenehm von vielen Genrevertretern ab. Die Liebesgeschichte bleibt angenehm im Hintergrund und unterstützt die Charakterentwicklung, ohne den Thriller auszubremsen. Wer atmosphärische Jugendthriller mit psychologischer Tiefe, spannenden Wendungen und einer fesselnden Mystery-Komponente mag, sollte sich „Thornbird“ unbedingt ansehen.
Copyright: Goldmann Verlag