Comic - Drama

Über Spanien lacht die Sonne

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Über Spanien lacht die Sonne
Über Spanien lacht die SonneComic - Drama | mit: Kathrin KlingnerBewertung:★★★★★ Kathrin Klingner ist eine junge Comic-Autorin. Ihr Werk „Über Spanien lacht die Sonne“ wird nun vom „Reprodukt Verlag“ neu herausgebracht. Das Original erschien beim “MamiVerlag“. Das es in unserer Gesellschaft oftmals Probleme gibt und gerade bei der letzten großen Flüchtlingskrise, ist unbestritten. Für Klingner ist es Grund genug über ihre Erfahrungen über Hass-Kommentare zu berichten. Das macht sie, indem sie mit dem nötigen Humor an die Sache herangeht und ihre Figuren als Tiergestalten darstellt. Eine überspitzte Form der Kritik an der anonymen Masse der Internet-Hater. Handlung Kitty hat eigentlich nichts übrig für Kommentare im Internet. Doch ihr neuer Job zwingt sie dazu, diese zu studieren. Ihr Arbeitgeber hat es sich zur Aufgabe gemacht, für seine Kunden die jeweiligen Kommentarspalten nach den jeweiligen AGBs zu kontrollieren. Kitty verbringt also den ganzen Tag damit unschöne Parolen aus dem rechten Spektrum zu lesen und zu löschen. Alle Einträge werden natürlich gespeichert. Was sie zu lesen bekommt, erinnert im Jargon an die Sprachart der 30er Jahre, als es in Deutschland rustikaler zuging und die braune Invasion stattfand. Die Motivation der Angestellten ist im Keller, lediglich das Miteinander hält sie bei Laune. Der Chef versucht alles, damit der Frieden gewahrt bleibt. Da ist es auch kein Wunder, das bei der Weihnachtsfeier das Glühweintaxi auf den Hof fährt. Doch der Chef erhält auch komische Anrufe von einer unbekannten Nummer, doch er verrät seinem Team nichts davon...BewertungWenn man im Jahre 2020 ein Comic mit dem Thema Hasskommentare in die Regale stellt, muss man schon ein wenig mehr bringen, als in der Anfangszeit, als besagte Texte in den sozialen Medien auftauchten und zum Massenphänomen wurden. In den Medien gibt es seit Monaten schließlich kein anderes Thema mehr. Das ist auch das Problem von „Über Spanien lacht die Sonne“. Als es zunächst beim „MamiVerlag“ publiziert wurde, befand man sich chronologisch noch am Anfang beziehungsweise in der Mitte dieser Welle. Aus heutiger Sicht wirkt daher alles eingestaubt und serviert nicht wirklich einen wirklichen Mehrwert. Alle Kommentare die im Plot auftauchen, kennen wir daher nur zu gut. Es sind Stammtischparolen, die es leider in die Köpfe der Menschen geschafft haben. Sie haben sich dort eingenistet und bieten Verschwörungstheoretikern eine Nahrungsquelle. Am Ende wird diese noch einmal deutlich, als es um einen Fernsehbeitrag geht. Es wird einfach alles in Frage gestellt, es werden die absurdesten Ideen für die Wahrheit gehalten. Diesen Leuten ist einfach nicht mehr zu helfen. Es ist eine Realitätsferne im Endstadium.

Kathrin Klingner versucht den Mitarbeitern ein Gesicht zu geben. Das macht sie, indem sie einige Tiere darstellt. Eine tolle Spielerei, die den gewissen Typus der einzelnen Charaktere unterstreicht. Nebenbei geht es auch auf die Straße. Dort hat sich das Leben zusehens verändert. Es ist nicht mehr das Leben in den Kneipen, es ist nicht mehr die Feier mit Leuten, es ist online. Soziale Kontakte sind da, doch sie mutieren zu etwas Banalen, sie sind nicht mehr greifbar. „Ja, schön Dich zu sehen, wir hatten damals eine geile Zeit.“ So hört sich das an. Es spricht ja nichts dagegen, diese Zeit weiter zu leben, doch es ist alles viel zwanghafter geworden.


Das wir uns in Hamburg auf dem Kiez aufhalten, sehen wir unter anderen an den Graffitis. Es tauchen Tags mit dem Schriftzug „FCSP“ oder „ACAB“ auf. Typische Symbole für den Hamburger Stadtteil. Auch der Jungfanstieg ist einigen wohl ein Begriff. Doch bei aller Mühe zum Detail, richtig fesseln kann „Über Spanien lacht die Sonne“ nicht. Es ist auf der einen Seite der Plot, der – wie bereits erwähnt – nicht mehr zieht, es sind die sozialen Probleme, die in so vielen Büchern Erwähnung finden und es die Arbeitswelt, in der wir alle selbst drinstecken. Damit es beim Leser zum großen Erwachen kommt, müsste es schon einen großen Knall geben, doch dieser bleibt aus. Vielleicht ist es die Ironie des Comics, dass es über die Banalität des gesellschaftlichen Lebens berichtet, dass es sich selbst in einer gewissen Gleichgültig einreiht.
Fazit „Über Spanien lacht die Sonne“ schafft es leider – trotz eines wichtigen und aktuellen Thema“ nicht sein Publikum zu fesseln.
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