Filme - Drama

Und Morgen die ganze Welt

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Und Morgen die ganze Welt
Und Morgen die ganze WeltFilme - Drama | mit: Andreas Lust , Noah Saavedra , Mala Emde und Tonio SchneiderBewertung:★★★★★ Regisseurin Julia von Heinz hat den großen Vorteil, dass sie selbst, mit gerade einmal 15 Jahren, einer Antifa-Gruppe beigetreten ist. Dadurch bringt sie die nötige Authentizität mit, mit der ein Film steht oder fällt, der sich solch einem radikalen, aber aktuellem Thema annimmt. Er ist so gut, dass er als deutscher Kandidat ins Rennen um den „Auslands-Oscar“ geht. „Und Morgen die ganze Welt“ gibt den Zuschauern Hausaufgaben mit auf den Weg. Er fragt zum Beispiel, wie weit der Widerstand gehen kann. Handlung Luisa ist 20 Jahre alt, stammt aus gutem Haus, studiert Jura im ersten Semester. Und sie will, dass sich etwas verändert in Deutschland. Alarmiert vom Rechtsruck im Land und der zunehmenden Beliebtheit populistischer Parteien, tut sie sich mit ihren Freunden zusammen, um sich klar gegen die neue Rechte zu positionieren. Schnell findet sie Anschluss bei dem charismatischen Alfa und dessen besten Freund Lenor: Für die beiden ist auch der Einsatz von Gewalt ein legitimes Mittel, um Widerstand zu leisten.
Bald schon überstürzen sich die Ereignisse. Und Luisa muss entscheiden, wie weit zu gehen sie bereit ist - auch wenn das fatale Konsequenzen für sie und ihre Freunde haben könnte. Trailer BewertungDie große Frage wie weit Widerstand gehen kann, wird nicht nur thematisiert, es wird offen angesprochen. Dabei bleibt die Antwort aus, sie wird dem Zuschauer überlassen. Das Grundgesetz wird öfters zitiert. In diesem steht unter Artikel 20 das sogenannte Recht auf Widerstand. Über die Anwendung kann man vorzüglich streiten, eben auch, ob es Antifa-Gruppen erlaubt ist, gegen ihre politischen Widersacher gewaltsam vorzugehen. „Und Morgen die ganze Welt“ gibt in einem seiner Dialoge zu bedenken, dass man ja gerade gegen die Rechten ist, weil sie Gewalt anwenden und das man sich durch einen friedvollen Protest eindeutig von ihnen abgrenzt und eben nicht so ist wie die. Dazu kommt noch eine gemäßigte Stimme zum Vorschein. Ein alter Kämpfer aus vergangen Tagen versorgt nicht nur die Verletzten, sondern versucht Einfluss auf die Gruppe zu nehmen. Er berichtet von seinen Erfahrungen, die oftmals aus einfachen Lösungen bestanden und nichts bewirkt haben. Es ist eine komplexe Welt, die eben nicht nur schwarz und weiß ist, sondern sehr viele Farben bereithält.

Aktueller Bezug wird genommen, indem die Rechten die Farben der AFD erhalten. Das ist nicht nur eine Anspielung, da wird ganz gezielt der Finger auf eine Partei gezeigt. Zum Ende hin steht einiges auf dem Spiel. Freundschaften und die vollkommene Radikalität. Die Sichtweisen sind sehr verhärtet und es ist schwer aus dem Sog der Gewalt herauszukommen. Sicherlich übertreibt es „Und Morgen die ganze Welt“ an der einen oder anderen Stelle. Es kommen einige Extreme auf den Tisch, die sicherlich in der Realität vorkommen, doch eher für die filmische Umsetzung, also für die Dramaturgie zuständig sind. Und das klappt sehr gut. Spannung ist da, ich saß gefesselt vor dem Fernseher, gerade weil das Thema stark und die Umsetzung auch sehr gelungen ist. Die Schauspieler liefern zudem auch eine glaubwürdige Leistung ab und leisten Arbeit auf hohem Niveau. Fazit „Und Morgen die ganze Welt“ ist ein sehr sehenswerter Film, der Fragen stellt, der begeistert und der zur richtigen Zeit kommt, denn die Welt dreht sich leider vielerorts zurück.
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