Comic - Marvel
Unsere Top-Comics des Jahres 2019
Unsere Top-Comics des Jahres
Unsere Top-Rezensenten Nina, Elm, Woll und Andy stellen ihr Top-Comic aus dem Jahr 2019 vor.
Nina: Der Mann meines Bruders, Mister Miracle Megaband und Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit
Das Jahr 2019 ist für mich ein schwieriges Comic-Jahr, aber nicht, weil die Erscheinungen dieses Jahr so schlecht waren – ganz und gar nicht! Es ist sehr schwer, mich nur für einen Top-Comic 2019 zu entscheiden, deswegen jetzt meine Top 3.
Die Serie Der Mann meines Bruders erzählt von eben diesem: Dem Mann, den Yaichis Bruder in Kanada geheiratet hat. Nach seinem überraschenden Tod besucht Mike seinen Schwager und seine Nichte Kana. Dieser Besuch bringt Yaichi zuerst ganz durcheinander, doch nach und nach öffnet sich Yaichi und schafft es mit Mikes Hilfe, sich mit seiner Trauer um den verstorbenen Bruder und seinen Vorurteilen auseinanderzusetzen. Obwohl die Geschichte von „Der Mann meines Bruders“ kein übermäßiges Drama ist, schafft der Autor Gengoroh Tagame es, dass man als Leser mit den Figuren mitfühlt. Er zeigt dadurch auch, dass man keine ausschweifenden Dialoge oder große Gefühle braucht, um eine Geschichte von Akzeptanz und Toleranz zu erzählen.
https://geek-whisper.de/Der-Mann-meines-Bruders-Band-1--Die-Invasion-des-Fremden
Comic-Autor Tom King hat 2018 mit seiner Geschichte um Mister Miracle den Eisner Award als besten Autor verliehen bekommen. Meiner Meinung nach vollkommen zurecht. Die Geschichte um Scott Free aka Mister Miracle ist verrückt, vielschichtig und unfassbar spannend. Tom King lässt den Leser im guten Sinne ständig im Unwissen darüber, was gerade passiert. Aber mehr als die tolle Geschichte finde ich die Bilder von Zeichner Mitch Gerads mindestens genauso gut, wenn nicht sogar das Beste an den Megaband. Sowohl wie er die Seiten gestaltet hat, als auch die Art und Weise, wie er Kings Geschichte visualisiert finde ich großartig!
https://geek-whisper.de/Mister-Miracle-Megaband
In ihrem autobiografischen Manga Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit erzählt die Manga-Künstlerin Kabi Nagata von ihren Depressionen und der Entdeckung ihrer Sexualität. Dabei stehen Themen und Darstellung meiner Meinung nach in krassem Kontrast zueinander und machen den Manga zu einem schwer verdaulichen, aber unglaublich interessanten Werk. Wie sie es schafft, ihre Erfahrungen greifbar zu machen, hat mich überrascht. Auch der Zeichenstil hat mir gut gefallen. Der Kontrast zwischen dem Thema und der Niedlichkeit der Bilder hat mich erst ein bisschen irritiert, aber nach kurzer Zeit ist das Gefühl verflogen.
https://geek-whisper.de/Meine-lesbische-Erfahrung-mit-Einsamkeit
Woll: „Schock – Die Geister von Knightgrave“ Teil 3
Mein persönlicher Comic des Jahres 2019 ist „Schock – Die Geister von Knightgrave“ Teil 3 von Stéphan Colman und Eric Maltaite, erschienen bei Salleck. Die Geschichte verknüpft auf spielerische und elegante Weise das Zeitalter klassischer Comics (Gin & Fizz bzw. Harry & Platte) mit einer aktuelleren, weitaus komplexeren und rücksichtsloseren Zeit. Faszinierend in diesem Kontext, dass Eric Maltaite der Sohn von Willy Maltaite (Will) ist, der die klassische Serie von 1948 bis 1990 zeichnerisch umsetzte und 1955 gemeinsam mit Maurice Rosy die Figur des scheinbar unbezwingbaren, maskierten Verbrechers Schock erschuf.
Erst mit diesem dritten und letzten Band der Albenreihe erfährt man nach so vielen Jahren, wer wirklich hinter der Maske des Schock steckt und warum er sich dieser Art der Inszenierung bedient. Es ist eine äußerst emotionale, tatsächlich oftmals sehr traurige Geschichte eines kleinen Jungen, später eines jungen Mannes, dem, beginnend in den dunklen Jahren des zweiten Weltkriegs, das Schicksal ständig und scheinbar ohne Grund grausam und unerbittlich begegnet. Colman und Maltaite spielen geschickt mit zeitlichen Rückblenden, farblichen Kontrasten und berührender Symbolik. Der spätere Verbrecherfürst Schock begeht selbst schreckliche Taten, Terroranschläge und Morde und scheint unberührbar, unbesiegbar und über Allem und Jedem zu stehen. Kein Lebender kennt das Gesicht hinter der eisernen Maske! Doch wenn er nachts alleine ist, von Drogen betäubt, die Maske neben sich liegend und die Geister seiner Mutter und seines besten Freundes auf ihn einreden – dann ist Schock das, was er immer war und immer sein wird: Gebrochen, entstellt, einsam, gequält, ein kleiner Junge, der sich nach seiner lachenden, beschützenden Mutter sehnt!
Elm: Life is Strange – Staub
Mein Comic-Highlight in diesem Jahr war Life is Strange – Staub. Und diese Entscheidung ist mir gar nicht so leicht gefallen, denn mit Marvel Knight – Vergessene Helden und Avengers: No Road Home sind auch zwei klasse Marvel-Geschichten erschienen, die bei mir in der engeren Auswahl standen. Was Life is Strange – Staub aber letztlich auszeichnet, ist die Verbindung zur Videospiel-Vorlage, die zwar unweigerlich über dem Comic schwebt, aber letztlich weder für Spielerinnen und Spieler des Originals noch für Life-is-Strange-Neulinge ein Hindernis darstellen dürfte. Die Geschichte baut auf die Geschehnisse der Episoden des Spiels auf und knüpft an eine mögliche Ausgangsvariante dessen an. Das macht den Comic so gut. Die Rückblenden und Erklärungen sind so knapp und präzise, dass sie denjenigen, die das Spiel gespielt haben, nicht langweilen dürften und allen anderen aber einen absolut ausreichenden Einblick in die Vorgeschichte bieten. Die Geschichte im Comic selbst ist dann ähnlich emotional, wie das Spiel. Die Charaktere agieren emotional miteinander und man kann sich durch den hohen Detailgrad ihrer Mimik und Gestik in die Figuren hineinversetzen. Der Comic bietet einen absoluten Mehrwert, gleichermaßen für Spielerinnen und Spieler und all jene, die bisher keine Berührungspunkte mit Life is Strange hatten. Genau das ist die Stärke des Comics, denn viele Comics zur Serie (Stranger Things) oder Comics zum Film (Star Wars) schaffen diesen Spagat bei weitem nicht so gut.
https://geek-whisper.de/Life-is-Strange---Staub-
Andy: Guantanamo Kid
Es waren so viele und das Beste hielt ich erst im Dezmeber in der Hand. „Guantanamo Kid“ erzählt die wahre Geschichte von Mohammed el Gharani, der in einem sehr jungen Alter von den Amerikanern eingesperrt, gefoltert und jahrelang in Guantanamo inhaftiert wurde. Er hatte keinen Anwalt und er war natürlich unschuldig. Der Comic macht nicht nur nachdenklich, er macht auch verdammt wütend. Die westliche Welt bestimmt die Regeln und bricht sie dann doch nur zu gerne. Abartig und umso wichtiger, dass solche Geschichten erzählt werden.
ZURÜCK INS ARCHIV
Unsere Top-Rezensenten Nina, Elm, Woll und Andy stellen ihr Top-Comic aus dem Jahr 2019 vor.
Nina: Der Mann meines Bruders, Mister Miracle Megaband und Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit
Das Jahr 2019 ist für mich ein schwieriges Comic-Jahr, aber nicht, weil die Erscheinungen dieses Jahr so schlecht waren – ganz und gar nicht! Es ist sehr schwer, mich nur für einen Top-Comic 2019 zu entscheiden, deswegen jetzt meine Top 3.
Die Serie Der Mann meines Bruders erzählt von eben diesem: Dem Mann, den Yaichis Bruder in Kanada geheiratet hat. Nach seinem überraschenden Tod besucht Mike seinen Schwager und seine Nichte Kana. Dieser Besuch bringt Yaichi zuerst ganz durcheinander, doch nach und nach öffnet sich Yaichi und schafft es mit Mikes Hilfe, sich mit seiner Trauer um den verstorbenen Bruder und seinen Vorurteilen auseinanderzusetzen. Obwohl die Geschichte von „Der Mann meines Bruders“ kein übermäßiges Drama ist, schafft der Autor Gengoroh Tagame es, dass man als Leser mit den Figuren mitfühlt. Er zeigt dadurch auch, dass man keine ausschweifenden Dialoge oder große Gefühle braucht, um eine Geschichte von Akzeptanz und Toleranz zu erzählen.
https://geek-whisper.de/Der-Mann-meines-Bruders-Band-1--Die-Invasion-des-Fremden
Comic-Autor Tom King hat 2018 mit seiner Geschichte um Mister Miracle den Eisner Award als besten Autor verliehen bekommen. Meiner Meinung nach vollkommen zurecht. Die Geschichte um Scott Free aka Mister Miracle ist verrückt, vielschichtig und unfassbar spannend. Tom King lässt den Leser im guten Sinne ständig im Unwissen darüber, was gerade passiert. Aber mehr als die tolle Geschichte finde ich die Bilder von Zeichner Mitch Gerads mindestens genauso gut, wenn nicht sogar das Beste an den Megaband. Sowohl wie er die Seiten gestaltet hat, als auch die Art und Weise, wie er Kings Geschichte visualisiert finde ich großartig!
https://geek-whisper.de/Mister-Miracle-Megaband
In ihrem autobiografischen Manga Meine lesbische Erfahrung mit Einsamkeit erzählt die Manga-Künstlerin Kabi Nagata von ihren Depressionen und der Entdeckung ihrer Sexualität. Dabei stehen Themen und Darstellung meiner Meinung nach in krassem Kontrast zueinander und machen den Manga zu einem schwer verdaulichen, aber unglaublich interessanten Werk. Wie sie es schafft, ihre Erfahrungen greifbar zu machen, hat mich überrascht. Auch der Zeichenstil hat mir gut gefallen. Der Kontrast zwischen dem Thema und der Niedlichkeit der Bilder hat mich erst ein bisschen irritiert, aber nach kurzer Zeit ist das Gefühl verflogen.
https://geek-whisper.de/Meine-lesbische-Erfahrung-mit-Einsamkeit
Woll: „Schock – Die Geister von Knightgrave“ Teil 3
Mein persönlicher Comic des Jahres 2019 ist „Schock – Die Geister von Knightgrave“ Teil 3 von Stéphan Colman und Eric Maltaite, erschienen bei Salleck. Die Geschichte verknüpft auf spielerische und elegante Weise das Zeitalter klassischer Comics (Gin & Fizz bzw. Harry & Platte) mit einer aktuelleren, weitaus komplexeren und rücksichtsloseren Zeit. Faszinierend in diesem Kontext, dass Eric Maltaite der Sohn von Willy Maltaite (Will) ist, der die klassische Serie von 1948 bis 1990 zeichnerisch umsetzte und 1955 gemeinsam mit Maurice Rosy die Figur des scheinbar unbezwingbaren, maskierten Verbrechers Schock erschuf.
Erst mit diesem dritten und letzten Band der Albenreihe erfährt man nach so vielen Jahren, wer wirklich hinter der Maske des Schock steckt und warum er sich dieser Art der Inszenierung bedient. Es ist eine äußerst emotionale, tatsächlich oftmals sehr traurige Geschichte eines kleinen Jungen, später eines jungen Mannes, dem, beginnend in den dunklen Jahren des zweiten Weltkriegs, das Schicksal ständig und scheinbar ohne Grund grausam und unerbittlich begegnet. Colman und Maltaite spielen geschickt mit zeitlichen Rückblenden, farblichen Kontrasten und berührender Symbolik. Der spätere Verbrecherfürst Schock begeht selbst schreckliche Taten, Terroranschläge und Morde und scheint unberührbar, unbesiegbar und über Allem und Jedem zu stehen. Kein Lebender kennt das Gesicht hinter der eisernen Maske! Doch wenn er nachts alleine ist, von Drogen betäubt, die Maske neben sich liegend und die Geister seiner Mutter und seines besten Freundes auf ihn einreden – dann ist Schock das, was er immer war und immer sein wird: Gebrochen, entstellt, einsam, gequält, ein kleiner Junge, der sich nach seiner lachenden, beschützenden Mutter sehnt!
Elm: Life is Strange – Staub
Mein Comic-Highlight in diesem Jahr war Life is Strange – Staub. Und diese Entscheidung ist mir gar nicht so leicht gefallen, denn mit Marvel Knight – Vergessene Helden und Avengers: No Road Home sind auch zwei klasse Marvel-Geschichten erschienen, die bei mir in der engeren Auswahl standen. Was Life is Strange – Staub aber letztlich auszeichnet, ist die Verbindung zur Videospiel-Vorlage, die zwar unweigerlich über dem Comic schwebt, aber letztlich weder für Spielerinnen und Spieler des Originals noch für Life-is-Strange-Neulinge ein Hindernis darstellen dürfte. Die Geschichte baut auf die Geschehnisse der Episoden des Spiels auf und knüpft an eine mögliche Ausgangsvariante dessen an. Das macht den Comic so gut. Die Rückblenden und Erklärungen sind so knapp und präzise, dass sie denjenigen, die das Spiel gespielt haben, nicht langweilen dürften und allen anderen aber einen absolut ausreichenden Einblick in die Vorgeschichte bieten. Die Geschichte im Comic selbst ist dann ähnlich emotional, wie das Spiel. Die Charaktere agieren emotional miteinander und man kann sich durch den hohen Detailgrad ihrer Mimik und Gestik in die Figuren hineinversetzen. Der Comic bietet einen absoluten Mehrwert, gleichermaßen für Spielerinnen und Spieler und all jene, die bisher keine Berührungspunkte mit Life is Strange hatten. Genau das ist die Stärke des Comics, denn viele Comics zur Serie (Stranger Things) oder Comics zum Film (Star Wars) schaffen diesen Spagat bei weitem nicht so gut.
https://geek-whisper.de/Life-is-Strange---Staub-
Andy: Guantanamo Kid
Es waren so viele und das Beste hielt ich erst im Dezmeber in der Hand. „Guantanamo Kid“ erzählt die wahre Geschichte von Mohammed el Gharani, der in einem sehr jungen Alter von den Amerikanern eingesperrt, gefoltert und jahrelang in Guantanamo inhaftiert wurde. Er hatte keinen Anwalt und er war natürlich unschuldig. Der Comic macht nicht nur nachdenklich, er macht auch verdammt wütend. Die westliche Welt bestimmt die Regeln und bricht sie dann doch nur zu gerne. Abartig und umso wichtiger, dass solche Geschichten erzählt werden.