Buch - Drama

Unsterblichkeit ist auch keine Lösung

Veröffentlicht am 30.11.-0001
Unsterblichkeit ist auch keine Lösung
Unsterblichkeit ist auch keine LösungBuch - Drama | mit: Christian TielmannBewertung:★★★★★ Christian Tielmann, 1971 in Wuppertal geboren, ist ein erfolgreicher Jugend- und Kinderbuchautor, dessen Bücher in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurden. Seit fast 20 Jahren ist Christian Tielmann auf Lesereisen unterwegs und diese Erfahrungen inspirierten ihn zu einem Roman, in dem er die beiden Klassiker Goethe und Schiller auf eine Lesereise schickt. Der dtv Verlag veröffentlichte nun Tielmanns Debüt - Roman „Unsterblichkeit ist auch keine Lösung – Ein Goethe-Schiller-Desaster“. Handlung Das Interesse an den Werken zweier großer deutscher Autoren, Johann Wolfgang von Goethe, der mittlerweile 265 Jahre alt geworden ist und des 10 Jahre jüngeren Friedrich Schiller ist im Jahre 2014 erheblich gesunken. Die Verkaufszahlen brechen ein, so entscheidet der Verleger Cotta die beiden Klassiker auf eine Lesereise zu schicken, deren Höhepunkt Goethes Lesung von „Faust“ auf dem Brocken bilden soll. Die Reise unter dem Motto „Klassiker zum Anfassen“ dient dem Verlag als Werbetrommel und soll dem Buchmarkt aus der Krise helfen.
Das Genie Goethes kann sich mit dem Vorhaben nur schwer anfreunden und nur die Anwesenheit des hübschen Fräuleins Huggelmann, einer Buchhändlerin, die die beiden Bestsellerautoren auf der Reise begleitet, scheint seine mürrische Stimmung etwas zu mildern. Der 255 jährige Schiller dagegen, dessen Gesundheitszustand sich auf der Reise zwar verschlechtert, findet schneller Spaß daran.
Die Herausforderungen sind nicht einfach: Lesungen vor Grundschülern, Klettverschlüsse, sich verspätende ICEs, unangenehme Fragen wie zum Beispiel ob Goethe seit dem „Faust“ etwas Neues geschrieben hätte. Zu alldem entwickelt sich Schiller zu einem Rampenlichtstar und auch Fräulein Huggelmann scheint ihn dem Goethe vorzuziehen. Ob das alles gut geht?BewertungAlleine schon das Gelb des Buchcovers mit den aufgepeppten Silhouetten von Goethe und Schiller zieht die Aufmerksamkeit auf sich. Das Gelb erinnert an die Reclam-Heftchen, in die Klassiker für die Schüler heutzutage verpackt werden. Die Zeiten der teuren Ledereinbände und Goldprägungen sind vorbei, wie Goethe seufzend feststellt. Dadurch entsteht bereits vor dem Aufschlagen der ersten Seite der Eindruck, dass es sich um etwas Komisches und Originelles handelt. Und die Leser werden nicht enttäuscht. Intelligent und witzig, von einer Szene zur nächsten, führt der Autor die beiden Genies der deutschen Literatur auf ihre Lesereise „Klassiker zum Anfassen“ von Weimar über Göttingen, Northeim, Osterode, Clausthal-Zellerfeld zum Brocken. Er lässt sie vor den Grundschülern auftreten, vor desinteressierten Jugendlichen, konfrontiert sie mit der Macht der neuen Medien und des Internets, wo nichts verborgen bleibt, lässt die Werke in einer „der Zeit angemessenen Form“ erscheinen. Und man stellt sich dann doch noch als Leser die Frage – sind die Klassiker nun verstaubt oder immer noch lebendig? Fazit Eine sehr amüsante und originelle Lektüre, die ein Grinsen ins Gesicht zaubert.
ZURÜCK INS ARCHIV