Filme - Abenteuer

Vaiana

Veröffentlicht am 19.10.2026
4/5
Vaiana
„Vaiana“ war nie nur ein weiterer Disney-Film über eine junge Heldin auf großer Reise. Der Animationsfilm von 2016 lebte von seinem warmen Inselgefühl, den Liedern und einer Hauptfigur, die nicht auf Rettung wartet, sondern selbst hinausfährt. Die Live-Action-Version steht deshalb vor einer schwierigen Aufgabe: Sie muss zeigen, warum diese Geschichte nach zehn Jahren noch einmal erzählt werden soll.

Die Antwort fällt zwiespältig aus. Inhaltlich bleibt Thomas Kails Neuverfilmung der bekannten Vorlage sehr nah. Gleichzeitig bekommen Vaiana und Maui durch Catherine Lagaʻaia und Dwayne Johnson eine andere körperliche Präsenz. Das reicht nicht immer für einen eigenständigen Film, sorgt aber dafür, dass die Reise über das Meer nicht bloß wie eine Kopie auf Autopilot wirkt.

Handlung

Vaiana folgt dem Ruf des Ozeans und wagt sich zum ersten Mal über das Riff ihrer Heimatinsel Motunui hinaus. Gemeinsam mit dem berühmt-berüchtigten Halbgott Maui begibt sie sich auf eine Reise über das Meer, um die Zukunft ihres Volkes zu sichern.

Auf Motunui geraten Pflanzen und Fischfang in Gefahr. Vaiana erfährt von ihrer Großmutter Tala, dass ihre Vorfahren einst große Seefahrer waren. Um ihr Volk zu retten, muss sie Maui finden und das Herz der Göttin Te Fiti zurückbringen.

Bewertung

Der größte Gewinn dieser Realverfilmung ist Catherine Lagaʻaia. Sie spielt Vaiana nicht als dauernd strahlende Bilderbuchheldin, sondern als junge Frau, die ihre Aufgabe erst begreifen muss. Ihre Unsicherheit, der Konflikt mit dem Vater und die Bindung zu Tala erhalten dadurch mehr Gewicht. Besonders in den ruhigeren Momenten wird deutlich, dass sie die Figur nicht einfach nachspielt, sondern ihr eine eigene Note gibt.

Dwayne Johnson ist als Maui die naheliegendste und zugleich beste Entscheidung des Films. Er sprach den Halbgott bereits im Animationsfilm und übernimmt ihn nun auch vor der Kamera. Das passt erstaunlich gut, weil Maui immer schon wie eine überzeichnete Version von Johnson wirkte: laut, selbstverliebt, muskulös und doch nicht ohne Herz. Wenn Maui mit seiner eigenen Großspurigkeit ringt oder Vaiana widerwillig Respekt zollt, hat der Film spürbar mehr Energie.

Die eigentliche Geschichte bleibt allerdings beinahe unverändert. Wer den Animationsfilm kennt, wird selten überrascht. Viele Stationen, Konflikte und Lieder tauchen in vertrauter Reihenfolge wieder auf. Das ist nicht automatisch schlimm, denn Vaianas Reise funktioniert noch immer. Doch gerade weil die Vorlage so frisch im Gedächtnis ist, drängt sich oft die Frage auf, was diese Fassung zusätzlich erzählen möchte.

Optisch hat der Film starke Einzelbilder, besonders wenn Meer, Himmel und die mystischen Elemente der Handlung aufeinandertreffen. Gleichzeitig verliert die Welt von Motunui in der realistischeren Bildsprache etwas von der Leuchtkraft des Originals. Wo der Animationsfilm Farben, Bewegung und Musik zu einem eigenen Zauber verband, wirkt die Neuverfilmung stellenweise erstaunlich zurückhaltend.

Die Songs bleiben ein Trumpf. Sie tragen Vaianas Sehnsucht nach dem Meer, Mauis übergroßes Ego und die emotionale Verbindung zu ihrer Familie zuverlässig durch den Film. Gerade weil die Melodien bekannt sind, entsteht sofort ein Wiedererkennungseffekt. Das kann sehr berühren, es verstärkt aber auch den Eindruck, dass der Film oft auf die Kraft des Originals vertraut.

Thomas Kail setzt stärker auf Gesichter und Nahaufnahmen. Das gibt manchen Szenen eine andere Intimität. Vaianas Zweifel oder Talas Zuspruch wirken dadurch unmittelbarer als in einer Zeichentrickfigur. Nicht jede digitale Kreatur profitiert jedoch von diesem Realismus. Einige Figuren und Effekte sehen überzeugend aus, andere erinnern daran, dass hier eine fantastische Welt zwischen Kulisse und Computeranimation vermittelt werden muss.

Am Ende bleibt „Vaiana“ eine solide und durchaus gefühlvolle Neuverfilmung, die ihre stärksten Momente den Darstellenden und der Musik verdankt. Sie scheitert nicht an der Geschichte – eher daran, dass diese Geschichte schon vor zehn Jahren so stimmig erzählt wurde.

Fazit

Die Live-Action-Version von „Vaiana“ macht wenig falsch, findet aber auch nur selten einen zwingenden eigenen Grund für ihre Existenz. Catherine Lagaʻaia und Dwayne Johnson tragen den Film mit viel Charme, die Songs funktionieren weiterhin, und Vaianas Reise hat nichts von ihrer emotionalen Kraft verloren. Wer die Geschichte zum ersten Mal entdeckt, bekommt ein sehenswertes Abenteuer. Fans des Animationsfilms werden dagegen vermutlich öfter an das Original denken als an eine wirkliche Neuerfindung.
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