Comic - Drama
Von Unten
Von UntenComic - Drama | mit: Autorin: Daria BogdanskaBewertung:★★★★★ Schweden wird immer als eine Art Utopie angesehen. Doch dass nicht alles Gold ist was glänzt musste Daria Bogdanska am eigenen Leib erfahren. In ihrem Comic-Debüt „Von Unten“ erzählt sie, wie es war, als Migrantin im skandinavischen Land Fuß fassen zu wollen. Handlung Daria ist eine moderne Nomadin. Die gebürtige Polin hat schon überall in Europa gelebt. Nun will sie in Malmö, Schweden, eine Kunsthochschule besuchen. Den Studienplatz hat sie sicher, auch die Wohnungssuche in der von Wohnungsmangel geplagten Stadt klappt sehr schnell. Doch als sie dann nach einem Job sucht, wird ihr klar: Als Europäerin kann sie zwar theoretisch überall in der EU wohnen, das (legale) Arbeiten gestaltet sich jedoch als sehr schwierig. Denn um eine feste Arbeit haben zu können braucht man eine Steuer-ID. Aber um diese zu bekommen, braucht man einen festen Job. Diesem Teufelskreis zu entkommen scheint ihr fast unmöglich und sie muss sich mit einem Kellner-Job – schwarz, natürlich – durchschlagen. Doch dort wird sie massiv ausgebeutet, was sie aber nicht hinnimmt und anfängt, politisch dagegen aktiv zu werden. BewertungDaria Bogdanska spricht in „Von Unten“ sehr ruhig und ohne viel Firlefanz über einem wichtigen Kapitel in ihrem Leben. Dabei stehen das, was sie erzählt und wie sie die Geschichte bebildert im krassen Konflikt zueinander. Denn in ihrem Comic – im Original „The Wage Slaves“ genannt – geht es um die Ausbeutung von Migrantinnen, um die Unsicherheit der jungen Generation auf dem Arbeitsmarkt oder auch um ihre Erfahrungen als „europäische Nomadin“, die von Stadt zu Stadt und von Land zu Land umherwandert. Bogdanska war es wichtig, dass auch ihre eigenen Schattenseiten im Comic vorkommen, wie z.B., dass sie mit einem gefälschten Ticket Bahn gefahren ist, bei einem Second-Hand-Laden einen Pulli hat mitgehen lassen oder die Steuer-ID einer Bekannten für einen Job als ihre eigene angegeben hat.
Ihr Zeichenstil hingegen ist sehr Cartoon-artig und hat an manchen Stellen sogar etwas von einem Manga. Sich selbst zeichnet Daria mit großen Kulleraugen und einem runden Gesicht. Dunkle und bedrückende Zimmer oder ein übler Kater nach einem Saufgelage sehen gar nicht so schlimm aus. Das macht aber für mich den Reiz von „Von Unten“ aus. Denn obwohl die Zeichnungen wenig realistisch sind, sind sie umso detailreicher. Die Wohnungen sehen bewohnt aus und es gibt am Ende des Comics ein Foto, dessen Motiv auch fast genau gleich in gezeichnet zu finden ist. Und wenn man sich in Malmö auskennt, erkennt man die Stadt auch sofort wieder (Bogdanska hat diesen Detailreichtum mithilfe von Google Street View geschaffen, wie sie in ihrer Lesung auf der Leipziger Buchmesse erzählt hat).
Was ich aber am charmantesten und ungewöhnlichsten an „Von Unten“ finde, ist, dass das Buch mehrsprachig ist. Zuerst wird auf Englisch erzählt. Nach etwa einem Drittel geht es auf Deutsch weiter. Dieser Wechsel hat einen ganz einfachen Grund: Bogdanska hat mit der Arbeit an „Von Unten“ angefangen, als sie noch nicht genug Schwedisch gesprochen hat. Als sie aber dann die Sprache besser beherrschte, wechselte sie die Erzählsprache vom Englischen ins Schwedische. Das hat die Übersetzerin Katharina Erben dann auch so übernommen und dementsprechend nur das Schwedische übersetzt. Außerdem werden Sprachen, die Daria nicht versteht, mit Symbolen dargestellt. Bei Schwedisch sind es bspw. „Ä“, „Ö“ oder „Å“, für Bengalisch hat sie Sanksrit-ähnliche Symbole verwendet.
Das Einzige, was Comic-Puristen vielleicht missfallen könnte ist das Lettering. Teilweise sind die Wörter in den Sprechblasen etwas gequetscht oder sie werden komisch getrennt. Das finde ich aber gar nicht so schlimm, es verstärkt für mich sogar das Gefühl, Darias Geschichte tatsächlich aus ihrem Mund – oder, um es genauer zu sein: aus ihrer Feder – zu hören. Fazit Mich hat „Von Unten“ regelrecht umgehauen. Vielleicht bin ich ein bisschen voreingenommen, da ich auf der Leipziger Buchmesse Daria Bogdanska über ihren Comic habe erzählen hören. Trotzdem hat mich der Comic wirklich bewegt. Am meisten an „Von Unten“ hat mir der „Clash“ zwischen dem Zeichenstil und der Thematik gefallen. Wer also auf der Suche nach einem Comic ist, der schön aussieht und eine tolle Geschichte erzählt, sollte sich „Von Unten“ auf jeden Fall besorgen. Nur Englisch sollte man können, denn in den ersten 60 Seiten wird die Geschichte in dieser Sprache erzählt.
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Ihr Zeichenstil hingegen ist sehr Cartoon-artig und hat an manchen Stellen sogar etwas von einem Manga. Sich selbst zeichnet Daria mit großen Kulleraugen und einem runden Gesicht. Dunkle und bedrückende Zimmer oder ein übler Kater nach einem Saufgelage sehen gar nicht so schlimm aus. Das macht aber für mich den Reiz von „Von Unten“ aus. Denn obwohl die Zeichnungen wenig realistisch sind, sind sie umso detailreicher. Die Wohnungen sehen bewohnt aus und es gibt am Ende des Comics ein Foto, dessen Motiv auch fast genau gleich in gezeichnet zu finden ist. Und wenn man sich in Malmö auskennt, erkennt man die Stadt auch sofort wieder (Bogdanska hat diesen Detailreichtum mithilfe von Google Street View geschaffen, wie sie in ihrer Lesung auf der Leipziger Buchmesse erzählt hat).
Was ich aber am charmantesten und ungewöhnlichsten an „Von Unten“ finde, ist, dass das Buch mehrsprachig ist. Zuerst wird auf Englisch erzählt. Nach etwa einem Drittel geht es auf Deutsch weiter. Dieser Wechsel hat einen ganz einfachen Grund: Bogdanska hat mit der Arbeit an „Von Unten“ angefangen, als sie noch nicht genug Schwedisch gesprochen hat. Als sie aber dann die Sprache besser beherrschte, wechselte sie die Erzählsprache vom Englischen ins Schwedische. Das hat die Übersetzerin Katharina Erben dann auch so übernommen und dementsprechend nur das Schwedische übersetzt. Außerdem werden Sprachen, die Daria nicht versteht, mit Symbolen dargestellt. Bei Schwedisch sind es bspw. „Ä“, „Ö“ oder „Å“, für Bengalisch hat sie Sanksrit-ähnliche Symbole verwendet.
Das Einzige, was Comic-Puristen vielleicht missfallen könnte ist das Lettering. Teilweise sind die Wörter in den Sprechblasen etwas gequetscht oder sie werden komisch getrennt. Das finde ich aber gar nicht so schlimm, es verstärkt für mich sogar das Gefühl, Darias Geschichte tatsächlich aus ihrem Mund – oder, um es genauer zu sein: aus ihrer Feder – zu hören. Fazit Mich hat „Von Unten“ regelrecht umgehauen. Vielleicht bin ich ein bisschen voreingenommen, da ich auf der Leipziger Buchmesse Daria Bogdanska über ihren Comic habe erzählen hören. Trotzdem hat mich der Comic wirklich bewegt. Am meisten an „Von Unten“ hat mir der „Clash“ zwischen dem Zeichenstil und der Thematik gefallen. Wer also auf der Suche nach einem Comic ist, der schön aussieht und eine tolle Geschichte erzählt, sollte sich „Von Unten“ auf jeden Fall besorgen. Nur Englisch sollte man können, denn in den ersten 60 Seiten wird die Geschichte in dieser Sprache erzählt.