Buch - Thriller

Weil sie lügt

Veröffentlicht am 24.06.2026
4/5
Weil sie lügt
Es gibt diese Bücher, die einen sofort ein gutes Gefühl geben. Bei Caroline Seibts Roman „Weil sie lügt“ war es genau dieses Gefühl. Das Cover selbst malt eine Szene, die auf eine sehr subtile, aber dennoch eindringliche Weise Neugier weckt. Man spürt förmlich, dass hier eine Geschichte verborgen liegt, die uns tief in menschliche Abgründe führen wird. Caroline Seibt, geboren 1993, scheint eine Autorin zu sein, die schon von Kindheit an von Geschichten besessen war. Mit neun Jahren begann sie, ihre eigenen Welten zu erschaffen – ein Talent, das sich nun in einem psychologischen Thriller manifestiert, der verspricht, uns bis zur letzten Seite in Atem zu halten. Die Inspiration findet sie bei langen Spaziergängen mit ihrer Hündin Maya, eine Vorstellung, die ich persönlich sehr schön finde. Seibt verrät, dass sie nachts noch einmal kontrolliert, ob alle Türen und Fenster verschlossen sind.

HANDLUNG

Juli ist weg.Die Polizei ist überzeugt, dass sie ermordet wurde. Der Hauptverdächtige: Ausgerechnet ihr eigener Vater. Während die Familie unter den Anschuldigungen zerbricht, versucht Julis jüngere Schwester Anna stark zu sein – für ihre Eltern, die an der Trauer ersticken. Vor allem aber für ihren kleinen Bruder, der noch nicht begreift, dass Juli nie mehr zurückkommen wird. Als die Ermittlungen kurz vor dem Durchbruch stehen, muss Anna sich eingestehen, dass der Albtraum für ihre Familie noch nicht vorbei ist.Er hat gerade erst angefangen.

KRITIK

„Weil sie lügt“ nimmt uns sofort mit in eine Atmosphäre, die beklemmend und doch fesselnd ist. Das fängt bereits bei den kurzen Kapiteln an, die oft in einem Cliffhanger enden und so eine Art Sogwirkung entfalten. Man kann sich schnell in die beiden Erzählerinnen hineindenken, ihre Verzweiflung und ihre Ängste nachempfinden. Caroline Seibt versteht es, den psychologischen Druck aufzubauen, der sich langsam, aber unaufhaltsam steigert. Die Spannung entsteht nicht aus übermäßiger Action oder schockierenden Gewaltakten, sondern vielmehr aus den komplexen Beziehungen der Figuren untereinander, aus den Geheimnissen, die sie hüten, und aus den Lügen, die sie erzählen, um sich selbst oder andere zu schützen. Dies ist ein Buch, das auf die psychologische Spannung setzt, und das gelingt ihm außerordentlich gut. Die komplexen Charaktere sind definitiv eine Stärke des Romans. Man merkt, dass die Autorin viel Zeit darauf verwendet hat, diese Figuren glaubwürdig zu gestalten, und das ist in einem Thriller, der so stark von menschlichen Abgründen und Motivationen lebt, essenziell. Die Atmosphäre des Romans ist atmosphärisch dicht und trägt maßgeblich zum Gesamteindruck bei. Man spürt förmlich die aufkeimende Panik, die Verzweiflung und die emotionale Zerrüttung der Familie. Der interne Familienkonflikt, gepaart mit dem externen Druck der Ermittlungen, bildet ein starkes Fundament für die Erzählung. Die Wendungen, die der Roman bereithält, sorgen immer wieder für Spannung und unerwarteten Plot-Stuff. Seibt versteht es, den Leser im Unklaren zu lassen, immer wieder neue Verdachtsmomente zu streuen und die Erwartungen auf den Kopf zu stellen. Das Ende dieses Psychothrillers kommt dabei tatsächlich überraschend und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Es ist ein Ende, das die aufkommenden Fragen nicht immer vollständig beantwortet, aber auf eine Weise, die den Leser noch lange nach der letzten Seite zum Nachdenken anregt. Der Schreibstil der Autorin ist dabei durchweg fesselnd; er zieht einen mühelos in die Geschichte hinein und lässt einen nicht wieder los, bis das letzte Wort gelesen ist. Dennoch gibt es einen kleinen Abzug: An einigen Stellen wirkten einzelne Wendungen, so clever sie auch eingefädelt waren, ein wenig konstruiert. Man hatte das Gefühl, die Geschichte hätte an diesen Punkten vielleicht eine etwas natürlichere Entwicklung nehmen können, anstatt durch eine plötzliche Enthüllung vorangetrieben zu werden. Doch dies ist eine kleinere Kritik in einem ansonsten überzeugenden Gesamtbild.

FAZIT

„Weil sie lügt“ hat mich überzeugt. Caroline Seibt liefert einen packenden psychologischen Thriller ab, der durch seine atmosphärische Dichte, seine glaubwürdigen Charaktere und seine überraschenden Wendungen glänzt. Die kurzen Kapitel und die geschickte Platzierung von Cliffhangern sorgen für ein hohes Lesetempo, das einen von der ersten bis zur letzten Seite fesselt. Für Fans von Psychothrillern, die eine Geschichte mit Tiefgang und starken Charakteren suchen, ist dieser Roman definitiv eine Leseempfehlung wert.


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