Comic - Drama
West, West Texas
West, West TexasComic - Drama | mit: Tille WaldenBewertung:★★★★★ Das Genre Coming-Of-Age ist nicht für jedermann geeignet. Doch beim Comic „West, West Texas“ von Tille Walden sollte ein jeder eine Ausnahme machen. Walden setzt in ihrer Geschichte nicht unbedingt auf ganz großen Dialoge, sondern lässt die Umgebung für die Protagonisten sprechen. Ein Stil der vielleicht nur so gut in einem Comic funktionieren kann. Eine Adaption auf einer großen Kinoleinwand würde wahrscheinlich nicht so gut wirken. Darüber hinaus spielt der Feminismus eine entscheidende Rolle und damit schlägt Walden in die Kerbe der aktuellen gesellschaftspolitischen Diskussionen ein. Handlung Bea geht weg. Sie ist jung, gerade einmal 18 Jahre alt und entschließt sich ihrem Zuhause den Rücken zuzukehren. Sie weiß nicht wohin, hat keinen Plan und auch kein Auto. Mitten im texanischen Nirgendwo trifft sie auf Lou, die ebenfalls eine Reise unternimmt. Die beiden kennen sich nicht wirklich, sind fast schon Fremde füreinander. Dennoch fühlen sie sich wohl miteinander. Als sie eine Katze unterwegs aufgabeln, passieren merkwürdige Dinge: Das Wetter schlägt um und spielt verrückt, zwei dunkle Gestalten verfolgen sie und während sich die Landschaft um sie herum zu einer surrealen Welt verformt, fahren die beiden immer weiter, auf der Suche nach einer Stadt, die keiner kennt und die auf keiner Karte zu finden ist.BewertungWie in jeder Coming-Of-Age Geschichte müssen sich die Protagonisten ihren Dämonen stellen. Seien es Ängste, Erlebnisse oder Lebensumstände. In „West, West Texas“ spielen solche Dinge selbstverständlich auch eine Rolle. Werden aber erst später thematisiert, zu einem Zeitpunkt, als die Kulisse schon zur besagten surrealen Welt verschmilzt. Der Leser sollte nicht alles für bare Münze nehmen, Autorin Tille Walden schwenkt ab zur Metaebene, zeigt dem Leser das Gefühlsleben der beiden Charaktere bildlich. Dabei steht zum Beispiel eine zerfallene Brücke für etwas.
Die Perspektive wandert stetig zwischen den beiden hin und her, dennoch verschmilzt die Betrachtungsweise fließend ineinander. Das macht die Sache so interessant, da sich beide Stück für Stück öffnen und an den jeweiligen Stationen reifen. Das Schicksal der einen ist nicht das der anderen und beide werden von ganz anderen Dämonen verfolgt. Dennoch sind sie für die Einzelne gleichermaßen schwergewichtig, wie für die andere. Ein feministischer Blick auf die jeweiligen Situationen wird von der Autorin ebenfalls gewagt. Zwei dunkle Männer wirken zum Beispiel wie Aufseher. In „West, West Texas“ sind sie vom Verkehrsamt, auf der Metaebene symbolisieren sie einen Teil des Ich Zustands. Zwei Aufpasser, die Regeln vorgeben. Das wilde Es will dagegen rebellieren und tut es auch. Dieser Konflikt zeigt, dass der Comic tiefenpsychologisch in die Vollen geht.
Überraschenderweise sind die Dialoge nicht so weit ausgefächert, wie von mir gedacht. Es spricht eher die künstlerische Umsetzung. Die zeigt Panels, die sich aufs wesentliche konzentrieren, aber auch das große Ganze einfangen. So gibt es Zeichnungen, die eng gehalten sind und eine bestimmte Szene in Stücke zerlegen und dann suchen wiederum einige das große Weite. Alles mit viel Tempo und mit noch mehr Symbolik. Eine offene Felsspalte könnte so eine sich öffnende Vagina sein. Beim Lesen gibt es aber noch viel mehr fürs Auge zu entdecken.
Fazit „West, West Texas“ erzählt eine typische Coming-Of-Age-Geschichte auf eine neue, erfrischende Art und Weise. Sehr ausdrucksstark!
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Die Perspektive wandert stetig zwischen den beiden hin und her, dennoch verschmilzt die Betrachtungsweise fließend ineinander. Das macht die Sache so interessant, da sich beide Stück für Stück öffnen und an den jeweiligen Stationen reifen. Das Schicksal der einen ist nicht das der anderen und beide werden von ganz anderen Dämonen verfolgt. Dennoch sind sie für die Einzelne gleichermaßen schwergewichtig, wie für die andere. Ein feministischer Blick auf die jeweiligen Situationen wird von der Autorin ebenfalls gewagt. Zwei dunkle Männer wirken zum Beispiel wie Aufseher. In „West, West Texas“ sind sie vom Verkehrsamt, auf der Metaebene symbolisieren sie einen Teil des Ich Zustands. Zwei Aufpasser, die Regeln vorgeben. Das wilde Es will dagegen rebellieren und tut es auch. Dieser Konflikt zeigt, dass der Comic tiefenpsychologisch in die Vollen geht.
Überraschenderweise sind die Dialoge nicht so weit ausgefächert, wie von mir gedacht. Es spricht eher die künstlerische Umsetzung. Die zeigt Panels, die sich aufs wesentliche konzentrieren, aber auch das große Ganze einfangen. So gibt es Zeichnungen, die eng gehalten sind und eine bestimmte Szene in Stücke zerlegen und dann suchen wiederum einige das große Weite. Alles mit viel Tempo und mit noch mehr Symbolik. Eine offene Felsspalte könnte so eine sich öffnende Vagina sein. Beim Lesen gibt es aber noch viel mehr fürs Auge zu entdecken.
Fazit „West, West Texas“ erzählt eine typische Coming-Of-Age-Geschichte auf eine neue, erfrischende Art und Weise. Sehr ausdrucksstark!