Comic - Geschichte

WIR GEHÖREN DEM LAND

Veröffentlicht am 30.11.-0001
WIR GEHÖREN DEM LAND
WIR GEHÖREN DEM LANDComic - Geschichte | mit: Joe SaccoBewertung:★★★★★ Joe Sacco ist kein Unbekannter im Hause "Edition Moderne". Er veröffentlichte u.a. "SARAJEVO" oder "REPORTAGEN" beim genannten Verlag. Seine Reportagen haben Sprengkraft, da sie aktuelle und wichtige Themen ansprechen. Sie wurden sogar in den renommierten Zeitungen und Magazinen "Time", "The Guardian" oder den "Boston Globe" abgedruckt. Mit "Wir gehören dem Land" geht er in ein Gebiet, das sicherlich so noch nicht auf der Top Ten Liste der politischen Disskussion stand. Es geht nach Kanada und die Auswirkungen von Globalisierung auf die indigene Bevölkerung. Sacco gibt Menschen Gehör, die wir ansonsten wohl nicht gehört hätten...
Handlung Die Dene sind ein indigenes Volk, das in Kanada lebt. Sie reisen in den unendlichen Weiten der wunderschönen Landschaft herum. Und dann kommt es, wie es kommen muss. Der weiße Mann sagt "Hallo". Dass das nicht so gut ist, haben schon die Ureinwohner der Vereinigten Staaten von Amerika erfahren oder die Maya in Mittelamerika. Die Moderne kommt und die Traditionen weichen. Gleichzeitig, gerade in den letzten Jahrzehnten, weichen aber nicht nur die Sitten und Gebräuche der Menschen vor Ort, sondern es leidet die Natur mindestens gleichermaßen. Sacco erzählt, wie sich die indigene Bevölkerung Kanadas mit der neuen Lebensweise arrangiert und wie diese ganze Generationen auseinanderreißt.BewertungThematisch passt die Handlung perfekt in das Jahr 2020. In Amerika bringen rassistische Polizisten Afroamerikaner um und in Europa floriert der Rassismus. Es ist der wiedererstarkte Nationalismus der für negativen Aufruhr sorgt. Gleiches haben die Dene erfahren und es ist schön, dass Joe Sacco ihnen Gehör verschafft, dass er dies gerne macht, beweist er mit diesem Zitat: „Ich habe die Themen dieser Reportagen selber bestimmt, und diese sollten auch meine Sympathien klar ausdrücken. Ich kümmere mich hauptsächlich um die, die kaum gehört werden, ohne das Bedürfnis zu haben, ihre Aussagen mit den sattsam bekannten Ausreden der Mächtigen zu konfrontieren.“

Anfangs war ich von dem Naturvolk sehr angetan. Jeder hat seine Aufgabe, alles funktioniert. Das moderne Leben ist weit weg und alles geht seinen Weg. Doch dann ändert sich alles. Probleme treten auf. Es wird zur Flasche gegriffen, es werden Frauen geschlagen und es kommt zu Prositution. Dazu wird die wunderschöne Landschaft ausgebeutet. Das ist der Stoff, aus denen gute Comics geschrieben werden könnten. Ja, richtig gehört, ich schreibe extra im Konjunktiv, da mir die Story mit zunehmender Dauer etwas zu schleppend voranging. Gefühlt wiederholten sich einige Passagen, gemeint sind die Probleme. Der Leser bekommt quasi im ersten Drittel die Dinge mit, die nicht gut sind. Danach werden diese immer weiter ausgeschlachtet.

Auch die geschichtlichen Fakten - wann, was und wo passiert ist - können nicht für die nötige Abwechslung sorgen. "Wir gehören dem Land" ist etwas für Liebhaber, für Feinschmecker. Für Leute, die sich für die Thematik in einem besonderen Maß interessieren. Erinnerungen an ein Buch namens "Kollaps" wurden in mir wach, vielleicht bin ich daher auch ein wenig gebrandmarkt. Im besagten Roman - gefühlt so dick, wie die "Bibel" - geht es um versunkene Hochkulturen und der Autor Jared Diamond verzettelt sich buchstäblich im Abfall besagter Völker. In dem Buch, sofern sich meine Erinnerungen nicht täuschen, wird der komplette Abfall aufgelistet. Was ich damit sagen will, es ist einfach zu viel, sodass sich die ausführliche Schilderung auf den Lesefluss auswirkt und die Handbremse anzieht.

Die Zeichnungen sind toll. Die Farben Schwarz und Weiß dominieren und ergeben mit dem feinen, detaillierten Strich ein gutes Gesamtbild.
Fazit "Wir gehören dem Land" ist supergut recherchiert, geht der Sache auf den Grund. Feinschmecker und Liebhaber kommen hier vollkommen auf ihre Kosten. Für Comicleseratten, die sich nicht für die Dene interessieren oder sich nicht für die Kultur Kanadas nur oberflächlich auseinandersetzen möchten, die sollten vorsichtig sein. Joe Sacco hat nämlich nicht den Anspruch eine leichte Story zu erzählen, sondern er geht ins Detail, nimmt sich Zeit. Und dann kommt es drauf an, in welchem Lager ihr steht. Mit persönlich war es etwas zu viel, dennoch erkenne ich den Fleiß und die Hingabe an und vergebe gute vier Geek Whisper Sterne.
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